Testbericht: Die neue Alfa Romeo Giulia

(02.03.2018) Mit der neuen Giulia ist Alfa Romeo ins Mittelklasse-Segment zurück gekehrt. Wir verraten im folgenden Test, was für den rassigen Italiener spricht.

Nach fünf Jahren Pause ist Alfa Romeo 2016 mit der Giulia wieder ins Mittelklasse-Segment zurück gekehrt. Das Design besticht dabei mit einer sehr dynamischen Linienführung. Genauso sportlich wie die Giulia aussieht, soll sie sich auch fahren. Um gegen die deutsche Premium-Konkurrenz eine Chance zu haben, hat Alfa Romeo der Giulia auch Heckantrieb und moderne Triebwerke spendiert.

Für unseren Test haben wir den Spagat zwischen Vernunft und Sportlichkeit gemacht und die Giulia mit dem 180 PS starken Dieselmotor in Verbindung mit Automatikgetriebe gewählt. Der Listenpreis für die Giulia Super 2,2 TD AT ist mit 41.750 Euro durchaus selbstbgewusst, vor allem, da sich noch eine große Liste an Optionen ergibt, wenn man das Fahrzeug etwas luxuriöser haben möchte.

Im Listenpreis enthalten sind zwar die für die Klasse typischen Dinge wie 2-Zonen-Klimaautomatik, Spurhalte-Assistent, autonomes Notfall Bremssystem, LED-Rückleuchten und ein Audiosystem, für mehr Luxus und Sportlichkeit muss man aber nochmals tief in die Tasche greifen. Unser Testauto hatte noch das Sport Paket AFS, rote Bremssättel, das Komfort Paket Plus, das Klima Paket Plus, abgedunkelte Scheiben ab der B-Säule, ein Glasschiebedach, elektrisch einklappbare Außenspiegel, Metallic-Lackierung, Chrom-Fensterrahmen, das Alfa 3D Navi mit 8,8"-Bildschirm, asymetrisch umklappbare Rücksitze, Reifen mit Notlauf-Eigenschaften, Lusso Alufelgen, das Raucher-Kit und einen Rückspiegel mit automatischer Abblendfunktion. Der Gesamtpreis liegt damit bei 53.859 Euro und bietet dennoch Luft nach oben.

So ausgerüstet fühlt man sich im sportlichen Alfa aber durchaus wohl. Das Innendesign hebt sich von allen anderen Fahrzeugen dieser Klasse wohltuend ab. Der Arbeitsplatz des Fahrers präsentiert sich aufgeräumt, und man hat sich auf das Wesentliche konzentriert. Kein Wunder also, dass man sich sehr schnell zurecht findet, wobei Alfa Romeo durchaus mit dem einen oder anderen Feature überrascht.

So wird der Wagen via Startknopf im Lenkrad gestartet, was eine äußerst ungewöhnliche Position für den Startknopf darstellt, aber durchaus seinen Reiz und einen hohen praktischen Nutzwert hat. Überhaupt ist das Lenkrad vom Design her eine Wucht und gefällt auch mit seinem griffigen Bezug. Das 8,8"-Display in der Mittelkonsole wird über ein Dreh/Drück-Rad zwischen Fahrer und Beifahrer gesteuert und kann ebenfalls mit einer einfachen Bedienung aufwarten. Die Anzeige spiegelt nur leider etwas, wodurch die Ablesbarkeit nicht unbedingt die Beste ist. Sehr schön ist auch der Mix aus Leder, Stoff und Alu-Dekorelementen, die dem Innenraum einen sehr sportlichen Touch geben.

Die sehr angenehmen Sitze runden den positiven Eindruck im Innenraum weiter ab. Das Platzangebot ist für Fahrer und Beifahrer sehr großzügig bemessen, im Fond wird es aber etwas enger. Das Kofferraumvolumen ist mit 480 Litern dafür wieder im Schnitt der Klasse angesiedelt.

Bei den Motoren bietet Alfa Romeo eine recht ordentliche Bandbreite an Möglichkeiten an, die vom 150 PS Diesel bis zum 510 PS Benziner reicht. Wir haben für unseren Test den 2,2 Liter-Turbodiesel mit 180 PS (132 kW) in Kombination mit 8-Gang-Automatik und Heckantrieb gewählt. Schon am Papier verspricht das Triebwerk viel Fahrspaß. Sein maximales Drehmoment von 450 Nm liefert der Motor bei 1.750 U/Min, und für den Sprint von 0 auf 100 km/h sollen nur 7,1 Sekunden vergehen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 230 km/h.

Zur großen Überraschung wird man gleich nach dem Start von einem lauten Diesel-Nageln geschockt, was sich aber zum Glück schnell wieder legt. Erst einmal in Fahrt, arbeitet der Motor sehr leise, bei Autobahntempo könnte man meinen, in einem Elektroauto unterwegs zu sein, so leise arbeitet der Diesel bei hohem Tempo. Dafür liefert der Motor gleich vom Start weg überzeugende Fahrleistungen und hat aus jedem Tempo heraus viel Kraft. Egal ob beim Ampel-Sprint oder bei einem Überholvorgang, die Leistung wird immer sehr eindrucksvoll zur Verfügung gestellt.

Wüsste man nicht, dass man "nur" 180 PS unter der Haube hat, man würde dem Alfa-Diesel durchaus über 200 PS zutrauen, so dynamisch liefert der Motor seine Kraft. Und zwar schon im Normal-Modus. Schaltet man den "DNA"-Schalter in der Mittelkonsole in den Dynamik-Modus, fühlt sich der Alfa nochmals eine Spur sportlicher an. Die fein schaltende 8-Gang-Automatik harmoniert dabei besonders gut und sorgt für ein entspanntes Fahren.

Im Dynamik-Modus werden die Gänge weiter ausgedreht, die Lenkung wird eine Spur straffer, und man hat das Gefühl, dass man in einem Sportcoupé und nicht in einer Mittelklasse-Limousine unterwegs ist. Der Alfa liegt dabei sehr satt auf der Straße und vermittelt auch in flotten Kurven immer einen sehr souveränen Eindruck. Das Heck neigt auch bei Nässe nicht zum Ausbrechen, wer die Giulia aus der Ruhe bringen möchte, muss schon wirklich eine harte Gangart an den Tag legen.

Dass der rassige Italiener trotz aller Sportlichkeit sehr komfortabel gefedert ist, begeistert ebenso wie die absolut direkte Lenkung. Jede noch so kleine Bewegung wird sofort umgesetzt, und so machen vor allem kurvige Straßen viel Spaß. Bei so viel Sportlichkeit ist es auch kein Wunder, dass der Verbrauch bei Weitem nicht an die vom Werk angegebenen Werte heran kommt. Die 4,2 Liter pro 100 Kilometer sind von der Realität sehr weit entfernt. Wir sind im Schnitt auf 7,1 Liter gekommen. Wer auf Fahrspaß verzichtet und im Eco-Modus unterwegs ist, wird sicher noch gut einen Liter einsparen können, ist dann aber noch immer weit von den 4,2 Litern entfernt. Dennoch sind die 7,1 Liter kein schlechter Wert, wenn man den Fahrspaß betrachtet.

Die schöne Giulia hat in unserem Test gezeigt, dass Alfa Romeo eine wirklich interessante Alternative zu den deutschen Mittelklasse-Limousinen auf die Räder gestellt hat. Beim Thema Fahrspaß übertrumpft die Giulia die deutschen Premium-Hersteller sogar, was uns wirklich sehr überrascht hat.

Was uns gefällt:

das Design, die Ausstattung, die Leistungsentfaltung des Motors, der Fahrspaß, die 8-Gang-Automatik, die vielen netten kleinen Details im Innenraum

Was uns nicht gefällt:

das laute Diesel-Nageln beim Start, das Platzangebot im Fond

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1-
Ausstattung Komfort: 2-
Verbrauch: 3
Fahrleistung: 1
Fahrverhalten: 1
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 3
Kofferraum: 3
Ablagen: 3
Übersichtlichkeit: 2

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