Testbericht: BMW X5 Hybrid

(05.04.2016) BMW lässt mit dem X5 einen echten "SAV" auf Österreichs Straßen. Ob ein Plug-in Hybrid wirklich aus einem Utility- ein Activity-Vehicle machen kann?

Nein, er ist nicht dezent, kompakt schon gar nicht. Er will nur eines: Die Massen bewegen. Und das im wahrsten Sinn des Wortes. "Wuchtig" trifft es eigentlich am besten, und schon scheidet der Garagenparkplatz der Wohnhausanlage aus Abmessungsgründen aus. Und während unsere Nachbarn nochmals überlegen, welchen Beruf wir ausüben, oder ob der letzte Lottogewinn doch unsereinem zugesprochen wurde, betrachten wir ehrfürchtig die Preisliste.

Der BMW X5 xDrive40e beginnt bei 69.900 Euro und bietet dafür eine Serienausstattung, die vier Seiten füllt. So macht er jedoch den wahren Fans der Bayern keinen Spaß. Also packt man unter anderem noch ein paar Pakete hinein, immerhin gibt es dafür Platz genug: Für das Auge gibt es das Exterieurdesign pure Excellence und das Interieurdesign pure Experience, die für sehr viel Glanz außen und fast alles in Leder bezogen innen sorgen. Ein Österreichpaket, Innovationspaket mit Driving Assistant, B&O Soundsystem, 4 Zonen-Klima, Panorama-Glasdach und vieles mehr, das den Rahmen dieses Berichts sprengen würde, wurden ebenfalls in unserem Testfahrzeug verbaut. Damit schnellt der Preis gleich auf 97.476 Euro hinauf.

Doch dafür gibt es eigentlich kaum etwas, das dieser X5 nicht hat. Perfekte Verarbeitungsqualität, Luxus, wohin das Auge blickt, damit wissen die Deutschen dem Premiumanspruch Genüge zu tun. Gleich nach dem Einsteigen braucht man erst einmal eines: Zeit. Zeit, um das Fahrzeug auf sich wirken zu lassen, Zeit um die zahllosen Features, Ein- und Verstellmöglichkeiten durchzustöbern und den BMW auf sich zu konfigurieren. Doch hat man sich diese genommen, will man eines danach nicht mehr: Aussteigen.

Die Zierleisten in Holzoptik und die LED-Ambientebeleuchtung quer im Armaturenbrett integriert; das Multifunktionsdisplay und allein die vielseitigen Einstellmöglichkeiten der Vordersitze - eine Wohltat nicht nur für das Auge. Der Sitzkomfort vorne wie hinten ist wunderbar. Im Fond hat man die Möglichkeit, die Klimaanlage für sich zu konfigurieren. Eine gerade Sitzbank ermöglicht auch die Mitfahrt von drei Kindern nebeneinander oder drei Erwachsenen. Aufgrund des Hybridantriebs hat BMW die Batterien des X5 im Gepäckraum verstaut. Das mindert natürlich den Stauraum besonders in der Höhe. 500 Liter sind es daher nur. Auch die dritte Sitzreihe fällt dadurch aus. Eine Golftasche oder zwei haben hier jedoch immer noch Platz.

Doch was macht diesen X5 so besonders? Nicht nur, dass er ein vollwertiger Hybrid ist, kann er bei Bedarf und idealerweise an einer BMW Wall-Ladestation per Ladekabel geladen werden. Gibt es keine Ladestation in der Nähe, so reicht eine normale Steckdose ebenfalls. Aus praktischen Gründen hat man beide "Ladestutzen", jene für den Strom und jene für das Benzin, auf beide Fahrzeugseiten verteilt. Per LED-Lichtsignalen erkennt man sofort den aktuellen Ladestatus des Elektromotors.

Nach etwa 3,5 Stunden an der normalen Steckdose ist der Akku voll, und es kann losgehen. Doch rein elektrisch ist die Reichweite des X5 auf höchstens 31 km begrenzt. Wohlgemerkt bei idealen Fahrbedingungen. Dabei können sich die Daten des E-Motors absolut sehen lassen: Spitzenleistung 113 PS, Nennleistung 75 PS und ein Drehmoment von 250 Nm. Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h! Der Vorteil bei Elektromotoren: Das Drehmoment ist sofort verfügbar. Aber bei der reinen elektrischen Laufleistung sehen wir noch ein deutliches Verbesserungspotential. Natürlich hat man ein umweltfreundlicheres Bewusstsein, und 31 km reichen für kurze Einkaufstouren aus. Aber hänge ich danach den X5 wirklich wieder an die Steckdose, oder lasse ich es einfach und fahre weiter?

Letztendlich entscheidet man dies selbst, aber gut zu wissen, dass man es könnte, wenn man es wollte. Diese Entscheidung unterstützt der BMW mit seinem "eDrive"-Programm, das - ähnlich dem bekannten Fahrerlebnisschalter - die Möglichkeit bietet, "automatisch" oder "maximal" den Elektromotor zu nutzen, oder gänzlich Akku zu sparen, um später rein elektrisch zu cruisen.

Doch das wahre Potential des X5 steckt in der Kombination mit seinem Vierzylinder-TwinPower Turbo-Benzinmotor, der bei knapp zwei Litern Hubraum 245 PS in einem Bereich von 5.000 bis 6.500 Touren leistet. Somit kommt man auf eine stattliche Systemleistung von 313 PS. Trotz eines Eigengewichts von etwas mehr als 2,2 Tonnen wuchtet sich der BMW in 6,8 Sekunden auf 100 km/h. Dabei sorgen 350 Nm Drehmoment allein vom Ottomotor für beachtlichen Schub. Damit wird er der Bezeichnung SAV eindeutig gerecht! Wobei dem "Activity-Level" bei 210 km/h elektronisch vom Hersteller ein Riegel vorgeschoben wurde.

Herausragend ist an dieser Stelle die Akustik im Innenraum zu erwähnen. Klarerweise arbeitet der Elektromotor lautlos, doch sogar im Fahrbetrieb ist nur bei extremer Beschleunigung etwas vom Benzinaggregat zu merken. Ansonsten neigt man dazu, sogar selbst miteinander beim Fahren zu flüstern, nur um diese fast gespenstische Ruhe genießen zu können.

Die 8-Gang-Steptronic schaltet den BMW unbemerkt. Lediglich beim Kick-down sind kleinste Verzögerungen im Ansprechverhalten gegenüber den herkömmlichen Motorisierungen bemerkbar. So als überlege der X5 "reicht der Elektro oder der Benziner, oder nehme ich beides?" Doch egal, wie sich das System entscheidet, der Fahrer merkt davon nichts, außer er blickt auf die Energieflussdarstellung im Navidisplay.

Mit einer Bodenfreiheit von etwa 20 cm und einer Watttiefe von bis zu 50 cm eignet sich der BMW auch dank xDrive zum Durchstreifen von nicht asphaltiertem Gelände. Sein Fahrwerk selbst wurde auf maximalen Komfort ausgelegt. Besonders leichtgängig fiel uns während der Testzeit die Lenkung auf. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass man erst einmal ein knapp 5 m langes und 2 m breites Fahrzeug in einer Gasse auf 255er/19 Zoll bzw. 275er/20 Zoll Rädern rangieren muss, ist dies eine wahre Wohltat. Parksensoren und Kameras machen die Sichteinschränkung aufgrund der SUV-Bauweise wett.

Unser Testverbrauch lag beim X5 in einem Bereich von etwa sechs Litern, wobei wir vom Laden an der Steckdose aufgrund mangelnder Stellplätze nicht regelmäßig Gebrauch machen konnten und unsere Fahrweise dem Fahrspaß entsprechend vom BMW-Ratgeber im Display nicht gutiert wurde. Das heißt, hier sind sicherlich noch Annäherungen in Richtung der vom Hersteller ausgewiesenen 3,3 Liter möglich. Trotzdem: In Anbetracht der PS-Leistung spricht selbst unser Verbrauch definitiv für eine Hybridmotorisierung! Wer gerne den Überblick auf unseren Straßen haben will und ein Herz für die Umwelt hat, dem sei der BMW X5 Hybrid somit wärmstens empfohlen.

Was uns gefällt:

Verbrauchswerte, Sitzkomfort, Ausstattungsdetails

Was uns nicht gefällt:

Akkus nehmen Laderaum weg (besonders in der Höhe)

Testzeugnis: 

Ausstattung Sicherheit: 1
Ausstattung Komfort: 1
Verbrauch: 1
Fahrleistung: 1
Fahrverhalten: 1
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 1
Kofferraum: 2-
Ablagen: 1
Übersichtlichkeit: 3

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