Chevrolet Captiva Testbericht

(09.12.2011) Der Chevrolet Captiva hat 2011 ein umfangreiches Facelift erhalten. Wir haben das Diesel-Topmodell mit Automatik getestet.

Mit dem Captiva ist Chevrolet ein Volltreffer gelungen, das SUV verkaufte sich vom Start an sehr gut. Damit das Interesse weiter anhält, hat Chevrolet dem Captiva, der am oberen Ende der kompakten SUV positioniert ist, ein großes Facelift verpasst.

Vor allem die Frontpartie erstrahlt nun ganz im Stil der aktuellen Chevrolet-Designlinie und wirkt wesentlich bulliger als beim Vorgänger. Das Erfolgsgeheimnis des Captiva besteht zum großen Teil sicher darin, dass er zwar die typischen amerikanischen Züge trägt, aber ganz auf den europäischen Geschmack hin abgestimmt ist.

Nachdem bei uns vor allem die Diesel-Motorisierung gefragt ist, haben wir für unseren Test das Diesel-Topmodell, den LTZ 2,2 Liter mit 184 PS und Automatikgetriebe, gewählt. Beim Preis von 40.290 Euro ist der Captiva dann schon überkomplett ausgerüstet. Unter anderem verfügt er über ABS, ESP, Bergan- und Bergabfahrhilfe, eine Einparkhilfe, 19"-Leichtmetallfelgen, Lederausstattung, Sitzheizung, elektrische Fensterheber vorne und hinten, Tempomat, Bordcomputer, ein RDS-Radio mit CD/MP3-Abspielmöglichkeit, USB- und AUX-Anschluss, ein Navigationssystem mit Rückfahrkamera, eine elektronische Klimaanlage, Nebelscheinwerfer mit Chromeinfassung und noch vieles mehr.

Als einzige Option bleibt dann noch die 500 Euro teure Metallic-Lackierung übrig, die im Falle unseres Testautos in "Pearl White" ausgefallen ist und dem Captiva ausgezeichnet steht.

Die lange Liste der Serienausstattung ist zudem äußerst nett verpackt, schon beim ersten Blick in den Innenraum stellt man fest, dass der Captiva sehr geschmackvoll und nobel ausgeführt ist.

Mit einer dunklen Zierleiste und vielen Elementen im Alu-Look kann der Captiva sicher auch kritische Zeitgenossen überzeugen. Praktische Details wie etwa ein Parkkartenhalter im Armaturenbrett links neben dem Lenkrad oder die riesige Ablagebox zwischen den Vordersitzen runden den positiven Ersteindruck noch ab.

Dabei bietet der Captiva auf seinen 467 cm Länge auch noch jede Menge Platz. Vor allem als 5-Sitzer genießt man ein vorzügliches Platzangebot inkl. 477 Liter Kofferraumvolumen.

Ist man nur zu zweit unterwegs, können durch Umlegen der Rücksitze sogar bis zu 1.577 Liter befördert werden. Man kann den Captiva aber mit wenigen Handgriffen auch zum 7-Sitzer umfunktionieren, die zwei zusätzlichen Sitze befinden sich eben verstaut im Kofferraum. Nützt man den Captiva als 7-Sitzer, stehen aber nur noch 97 Liter Kofferraumvolumen zur Verfügung. Zudem sind die zwei weiteren Sitze nur noch für Kinder bequem und vom Platz her ausreichend.

Vollgepackt ist man dann auch mit bis zu 2,5 Tonnen Gewicht unterwegs, weshalb eine adäquate Motorisierung wichtig ist. Hier ist der kraftvolle 2,2 Liter 4-Zylinder mit seinen 184 PS (135 kW) sicher die ideale Wahl. Sein maximales Drehmoment von 400 Nm erreicht der Motor schon bei 2.000 U/Min und kann somit auch als Zugfahrzeug gute Dienste leisten.

In Kombination mit dem 6-Gang-Automatik-Getriebe gefällt der Motor sehr gut, da zum einen genug Kraft vorhanden ist und zum anderen die Schaltvorgänge sehr weich von statten gehen.

Der beim Start des Motors etwas kernige Klang stört nicht lange, denn sobald der Captiva mal in Schwung ist, fährt er sich sehr leise und angenehm. Hier trägt auch die sehr gute Verarbeitungsqualität, bei der es weder Klappern noch Knarzen gibt, stark zum Wohlbefinden bei.

Wer möchte, schafft den Sprint von 0 auf 100 km/h in 10,1 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 191 km/h. Sogar bei Überholmanövern macht der Captiva eine sehr gute Figur und sprintet willig an den anderen Autos vorbei.

Mit einer ganz auf den europäischen Geschmack getrimmten Fahrwerks- und Federungsabstimmung bietet der Captiva zudem auch jede Menge Fahrspaß. Wer glaubt, im Captiva ein schwankendes Schlachtschiff der alten Schule anzutreffen, täuscht sich gewaltig. Selbst in flott gefahren Kurven bleibt der Captiva sehr gutmütig zu beherrschen und neigt sich kaum spürbar zur Seite. Die straffe Federung ist dabei vielleicht für manch Komfortverwöhnten schon etwas zu hart, uns hat die Mischung aus SUV und sportlichen Attributen gut gefallen.

Lediglich die Lenkung könnte eine Spur direkter sein und etwas mehr Gefühl vermitteln. Aber neben den vielen Ablagen und der Optik sollte doch zumindest auch technisch ein typisch amerikanisches Detail in einem Chevrolet vorhanden sein.

Bei den Trinkgewohnheiten präsentiert sich der Chevy nämlich schon wieder recht europäisch, mit nur geringen amerikanischen Einflüssen. Der vom Werk angegebene Verbrauch von 7,7 Liter pro 100 Kilometer konnte von uns zwar nicht erreicht werden, die 9,2 Liter Testverbrauch gehen aber in Anbetracht von erst 29 gefahrenen Kilometern bei der Übernahme des Testfahrzeugs in Ordnung.

Ist ein Auto einmal eingefahren, senkt sich der Verbrauch um rund 10%, womit wir bei rund 8,2 Liter gelandet wären, was für ein Auto dieser Größe und Leistung durchaus zu verkraften ist. Vor allem, wenn man die Allroundfähigkeiten mit einbezieht, die der Captiva zu bieten hat. Der große Chevrolet macht nämlich dank des Allradantriebs nicht nur auf befestigten Straßen eine gute Figur, auch abseits kommt man noch gut voran, wenngleich der Captiva kein Hardcore-Offroader ist.

Das Plus an Sicherheit, welches der Allradantrieb auch bei Nässe oder im Winter bietet, ist aber schon einmal viel wert.

Auch bei der Übersichtlichkeit kann der Captiva punkten, und wer bis oben hin beladen ist, kann noch auf die sehr gute Rückfahrkamera vertrauen, die selbst in der Nacht noch eine hervorragende Bildqualität liefert.

Der Chevrolet Captiva stellt somit ein wirklich rundes Paket dar. Er bietet bis zu sieben Personen Platz, was in seiner Klasse keine Selbstverständlichkeit ist, hat eine überkomplette Ausstattung und bleibt auch preislich noch im Rahmen.

Überraschen kann der Captiva aber nicht nur mit seinem Raumangebot, sondern auch mit einer Top-Verarbeitung sowie einem spritzigen Motor und einem ganz auf den europäischen Geschmack abgestimmten Fahrwerk.

Was uns gefällt:

Die Serienausstattung, das Preis/Leistungsverhältnis, das Platzangebot, die Verarbeitung.

Was uns nicht gefällt:

Der raue Motorklang im kalten Betriebszustand.

Testzeugnis:

  • Ausstattung Sicherheit: 1-
  • Ausstattung Komfort: 1
  • Verbrauch: 2-
  • Fahrleistung: 1-
  • Fahrverhalten: 1-
  • Verarbeitung: 1
  • Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
  • Platzangebot Rückbank: 1
  • Kofferraum: 1
  • Ablagen: 1
  • Übersichtlichkeit: 1


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