Chevrolet Orlando Testbericht

(27.06.2011) Mit dem Orlando ist Chevrolet nun erstmals auch im Kompakt-Van-Segment vertreten. Wir haben das Top-Modell der Reihe getestet.

Chevrolet gilt seit jeher als Familien-Marke, es war also nur eine Frage der Zeit, bis auch in Europa ein passender Familien-Van auf den Markt kommt. Mit dem Orlando hat Chevrolet nun den idealen Begleiter für junge Familien, aber auch für Geschäftsreisende im Angebot. Der 465,2 cm lange Kompaktvan bietet bis zu sieben Personen Platz und unterscheidet sich durch sein bulliges, aber dennoch sportliches Design von seinen Mitbewerbern. Vorne trägt der Orlando die typische Chevrolet-Nase mit dem großen Chevrolet-Logo im Querbalken des zweigeteilten Kühlergrills.

Die Welt des Orlando beginnt bei 18.990 Euro, als LS 1,8 mit 147 PS Benzinmotor. Für unseren Test haben wir das Spitzenmodell der Modellreihe gewählt, den 2,0 Liter Diesel mit 163 PS, Automatik und in LTZ+ Ausführung.

Hier ist schon alles an Bord, was das Autofahrerherz begehrt. Unter anderem gibt es neben ABS, ESP, sechs Airbags, eine Einparkhilfe, Ledersitze, ein Audiosystem mit sechs Lautsprechern, ein Navigationssystem mit 7"-Display, eine Klimaautomatik, elektrische Fensterheber vorne und hinten, elektrisch einstell-, beheiz-, und anklappbare Außenspiegel sowie 18"-Leichtmetallfelgen.

Das hört sich jetzt alles sehr teuer an, aber bei einem Blick auf die Preisliste kommt die erste große Überraschung. Als einzige Option gibt es noch eine Metallic-Lackierung und inkl. dieser kommt der Top-Orlando auf 28.980 Euro. Ein Preis, bei dem wir zweimal nachschauen mussten, ob das wirklich sein kann. Skeptisch wie der Motorjournalist nun einmal ist, erwartet man sich jetzt natürlich anderswo Abstriche, die den günstigen Preis rechtfertigen, - also auf zum Testen.

Beim ersten Blick in den Innenraum präsentiert sich der Orlando schon mal sehr wohnlich. Die großen Ledersitze wirken bereits beim Ansehen äußerst bequem, und dieser Eindruck bestätigt sich dann auch auf einer langen Autobahnetappe.

Die Armaturenlandschaft folgt dem neuen Chevrolet-Design und ist sehr dynamisch, aber auch übersichtlich gestaltet. Man findet sich auf Anhieb zurecht. Der Mix aus Chevrolet Design (z.B. die Gestaltung der Tacho-Einheit) und Opel-Teilen (z.B. der Lichtschalter und die Lenkstockhebel) passt dabei sehr gut. Bei der Verarbeitung gibt es auch keinen Grund zur Beanstandung, kein Klappern oder Knirschen stört, und auch die Geräuschdämmung ist erste Klasse. Selbst bei hohem Autobahntempo bleibt es im Innenraum noch ausgesprochen leise.

Auch das Platzangebot ist vorzüglich, wenngleich bei Verwendung als 7-Sitzer kaum noch Kofferraum bleibt und auch der Zugang zur 3. Reihe etwas beengt ist. Für den Transport der Kids zum Sportfest reicht der Platz aber allemal aus.

In 5-Sitzer-Konfiguration reicht das Kofferraumvolumen von 458 bis 856 Liter. Wie für ein US-Auto üblich, verwöhnt der Orlando aber noch mit vielen Ablagen und Getränkehaltern sowie einem ordentlichen Handschuhfach.

Das einzige, an dem man im Innenraum Einsparungsmaßnahmen merkt, ist, dass die Klimaautomatik nicht getrennt regelbar ist, was sich aber leicht verschmerzen lässt - sonst kann der Chevrolet in diesem Kapitel schon mal voll überzeugen.

Bleibt noch das Antriebskapitel zu bewältigen, wo schon mal die Eckdaten positiv klingen. Der 2,0 Liter Diesel mit 163 PS (120 kW) verfügt über ein maximales Drehmoment von 360 Nm bei 2.000 U/Min.

Diese Leistung reicht aus, um den 1,65 Tonnen schweren Chevrolet in 11 Sekunden von 0 auf 100 km/h zu befördern. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 195 km/h. In der Praxis wirkt der Orlando noch flotter, und auch im Zwischensprint, zum Beispiel nach einem Baustellen-Ende, erreicht man schnell wieder die gewünschte Geschwindigkeit.

Der Motor verrichtet seine Arbeit sehr leise und souverän, und man hat nie das Gefühl, mehr Leistung zu benötigen. Die Kombination des Motors mit der 6-Gang-Automatik ist zudem sehr angenehm. So lässt es sich wirklich absolut entspannt reisen, und die Schaltvorgänge der Automatik sind so gut abgestuft, dass man die Möglichkeit der manuellen Sortierung der Gänge eigentlich nie in Anspruch nimmt.

Gewöhnungsbedürftig sind dagegen die Bremsen. Zuerst etwas schwammig und mit langem Pedal-Weg, greifen sie bei einem beherzten Tritt dann aber doch sehr gut.

Das Fahrwerk ist dafür wieder ganz auf den europäischen Geschmack hin getrimmt, wenngleich der Orlando seine Herkunft nicht ganz verleugnen kann. In flott gefahren Kurven kommt man bald an die Grenzen, und der Orlando fängt etwas zu schwimmen an. Trotzdem lässt er sich dann noch leicht fangen und in der Spur halten, die Ausrichtung geht aber eindeutig Richtung Komfort, was für einen Familien-Van auch in Ordnung geht. Immerhin bügelt er selbst die größten Schlaglöcher bravourös weg und bringt die Passagiere bequem an den Zielort.

Trotz seiner Länge und den nach hinten hin schmäler werdenden Fenstern ist der Orlando sehr übersichtlich. Die kastenförmige Bauweise und die hohe Motorhaube ermöglichen eine gute Rundumsicht. Die Einparkhilfe erleichtert auch bei engen Parklücken das Rangieren, womit der Orlando auch im Stadtbetrieb seine Tauglichkeit unter Beweis stellt.

Auch beim Verbrauch gibt es keine negativen Überraschungen, denn die Trinkgewohnheiten der alten US-Schlachtschiffe haben mit dem Orlando rein gar nichts mehr gemeinsam. Die vom Werk angegebenen 7 Liter Diesel pro 100 Kilometer konnten wir zwar nicht erreichen, mit 7,7 Liter schont der Orlando aber das Familienbudget noch recht gut. Immerhin hat man 163 PS und ein Automatikgetriebe, was von Haus aus nicht die Zutaten für enorme Sparsamkeit sind. Dafür kommt aber der Fahrspaß nicht zu kurz.

Der Orlando ist ein wahrer Familien-Freund, aber auch Vertreter könnten sich an dem Chevrolet erfreuen. Er bietet viel Platz, ist sehr leise und lässt sich auch auf Langstrecken komfortabel fahren. Das Highlight ist dabei der Preis, um den man sonst bei gleicher Ausstattung nur ein Fahrzeug einer kleineren Kategorie bekommt.

Was uns gefällt:

Der Preis, die Ausstattung, der Motor in Kombination mit dem Automatikgetriebe, das. Platzangebot

Was uns nicht gefällt:

Die schwammigen Bremsen.

Testzeugnis:

  • Ausstattung Sicherheit: 1-
  • Ausstattung Komfort: 1
  • Verbrauch: 2
  • Fahrleistung: 1-
  • Fahrverhalten: 2
  • Verarbeitung: 1
  • Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
  • Platzangebot Rückbank: 1
  • Kofferraum: 1-
  • Ablagen: 1
  • Übersichtlichkeit: 1-

Zum Öffnen der Fotogalerie mit allen 37 Fotos auf eines der Bilder klicken!



Artikel kommentieren

Die neuesten Auto-Tests

Der neue Jeep Compass; Bildquelle: auto-motor.at/Stefan Gruber

Jeep Compass mit 140 PS und Allrad im Test

Die neue Generation des Jeep Compass zeigt sich wie eine kleine Ausgabe des Grand Cherokee. Wir verraten im folgenden Testbericht, was die beiden gemeinsam haben.
Weiterlesen

Mazda6 Sport Combi; Bildquelle: auto-motor.at/Stefan Gruber

Mazda6 Sport Combi im Test

Wir haben den frisch überarbeiteten Mazda6 zum Test begrüßt und festgestellt, dass die kleinen Änderungen große Wirkung haben.
Weiterlesen

Opel Grandland X; Bildquelle: auto-motor.at/Rainer Lustig

Der neue Opel Grandland X im Test

Der Grandland X macht seinem Namen alle Ehre. Womit der SUV mit dem Blitz wirklich einschlägt, lesen Sie im folgenden Testbericht.
Weiterlesen

Citroen C4 Cactus; Bildquelle: auto-motor.at/Stefan Gruber

Der neue Citroen C4 Cactus im Test

Die zweite Generation des Citroen C4 Cactus zeigt sich etwas geglättet und soll mit neuen Komfort-Features glänzen. Wir verraten im folgenden Testbericht, wo der Cactus sticht und wo nicht.
Weiterlesen

Alfa Romeo Stelvio; Bildquelle: auto-motor.at/Stefan Gruber

Der neue Alfa Romeo Stelvio im Test

Der Stelvio ist Alfas erster SUV. Wir haben den Top-Diesel in Kombination mit Automatik und Allradantrieb zum Test begrüßt.
Weiterlesen

Kurzmeldungen

Firmennews 20170324

Neuerscheinungen

neueste Auto-Tests