Testbericht: Der neue Fiat Tipo Kombi

(21.07.2017) Urlaubszeit-Reisezeit. Mit Beginn der Hitzewelle haben wir für Sie das Platzangebot sowie die Langstreckentauglichkeit des Italieners genauer unter die Lupe genommen.

Bereits im Frühjahr hatten wir die 5-türige Version des neuen Fiat Tipo bei uns im Test, umso gespannter waren wir auf den Unterschied, den der Kombi mit sich bringen würde. Und um eines gleich vorweg zu nehmen: Wer nicht unbedingt aus Platzgründen den Hatchback benötigt, ist mit dem Kombi beinahe besser versorgt.

Wir haben uns für diesen Test auch zum besseren Vergleich den 1,6 MultiJet II mit 120 PS ausgesucht, aber diesmal das neue Doppelkupplungsgetriebe ins Auge gefasst. In Kombination mit der Lounge-Ausstattungsvariante, die wir bereits aus dem anderen Tipo-Test kennen, startet beim Kombi der Preis bei 23.490 Euro. Der Preisunterschied zum ebenbürtigen 5-Türer beträgt damit 1.300 Euro, oder anders gesagt: Der Kombi kostet immer so viel wie der 5-Türer eine Ausstattungsvariante besser.

Insgesamt stehen für die Tipo-Familie drei verschiedene Ausstattungen zur Wahl: Pop, Easy und Lounge. Bei der Topausstattung haben die Italiener nicht mit den serienmäßigen Features gegeizt. Klimaautomatik oder Tempomat/gehören dabei unter anderem genauso dazu wie 16-Zoll-Leichtmetallfelgen. Angenehm, weil nicht nur ein zusätzliches Staufach beherbergend, fanden wir die Mittelarmlehne vorne, die sich auch verschieben lässt.

Bei den Topmodellen gibt es zumeist Unterhaltung auf höchstem Niveau. In unserem Fall bedeutet dies, wir haben serienmäßig einen 7-Zoll HD-Touchscreen mit Uconnect-Live Services nebst einem Radio mit MP3-Funktion und Bluetooth-Verbindung. Die 12-V-Steckdose im Kofferraum, ebenfalls serienmäßig, erwies sich als ideal bei den heißen Temperaturen, um eine elektrische Kühlbox anzustecken.

Wenn die Serienausstattung an der unteren Preiskante orientiert ist, gibt es zumeist entsprechende aufpreispflichtige Goodies, die die Kostenlatte dann etwas höher legen. So auch bei diesem Testfahrzeug. Es scheint, dass Fiat bei der Ausrüstung unseres Kombis wirklich alles aus den Regalen verbaut hat, was zur Verfügung steht. Konkret gesprochen sind es 3.501,40 Euro an Zuckerln, die uns das Dolce Vita versprechen. Damit landen wir mit 26.991,40 Euro schon in einem nicht mehr ganz so günstigen Bereich, bewegen uns jedoch im Vergleich mit entsprechenden Mitbewerbern wiederum im unteren Preissegment.

Von außen sieht der Kombi gefällig unauffällig aus. Im dunklen Anzug der Farbe "Mediteraneo Blau" wirkt der Italiener sehr seriös, wobei die Metallicreflexionen erst bei direkter Sonne ihr Können ausspielen. Als Accessoires hat man ihm die optionalen Chromelemente an den Fensterunterseiten, dem Kühlergrill und den Nebelscheinwerfern verpasst. Letztere fungieren überdies serienmäßig als Kurvenlicht. Das Standardschuhwerk (siehe oben) wurde ebenfalls durch 17-Zoll-Felgen mit Diamant-Finish mit 225/45er Bereifung ersetzt. Als Sonnenbrille fungieren die abgedunkelten Scheiben ab der B-Säule.

Die serienmäßige Sicherheitsausstattung hat man bei unserem Tipo Kombi durch das Sicherheitspaket mit Tempobegrenzer und autonomem Notbremsassistent ergänzt. Das Sichtpaket kümmert sich um Scheibenwischer sowie Scheinwerfer. Ideal auf Autobahnen ist der selbst abblendende Innenspiegel. Letztendlich hat Fiat viel Aufwand in die Komfortfeatures gesteckt, die wir auf den längeren Strecken rasch zu schätzen wussten. Unsere Multimediaeinheit wurde mit dem Tech-Paket aufgerüstet und erweitert den Musikgenuss nun auf ein DAB-Radio. Stets an den richtigen Ort findet man dank des 3D-TomTom-Live-Navi, welches auf Wunsch per Sprachsteuerung bedient werden kann. Besseres Einparken bzw. Ausfahren ermöglicht die Rückfahrkamera mit dazugehörenden Parksensoren.

Der Sitzkomfort ist auf allen Plätzen des Italieners angenehm. So besitzt der Fahrersitz eine elektrisch anpassbare Lendenwirbelstütze, der Beifahrersitz kann auch in der Höhe verstellt werden. Reisende im Fond freuen sich über eine Mittelarmlehne hinten. Die Techno-Lederausstattung wertet das Gesamtbild des Interieurs deutlich auf. Für die kühlen Momente hat man sicherheitshalber Sitzheizungen vorne zur Verfügung. Obwohl der Tipo Kombi nur 20 cm länger ist als der 5-Türer und damit auf eine Gesamtlänge von 4,57 m kommt, präsentiert sich der Laderaum als schier unermesslich. Mit 550 Litern Standardvolumen ist der Kombi um 110 Liter größer als beim kompakten Bruder. Das Konzept nennt Fiat Magic Cargo Space. Auf diese Weise können Ladegüter bis zu 1,80 m transportiert werden. Praktisch ist auch, dass das Abdeckungsrollo im Staufach unten Platz findet, damit ist es jederzeit wieder verfügbar. Sogar die seitlichen Taschenabteilungen können entfernt werden, um etwas breiteren Dingen Platz zu machen.

Motorisch haben wir mit dem 1,6 MultiJet II Diesel den stärksten Selbstzünder der Tipo-Familie unter der Haube. Seine 120 PS sind in Anbetracht von 1.425 kg Eigengewicht unserer Meinung nach gerade richtig, um angenehm flüssig zu reisen. Die Kraftentfaltung erscheint uns insgesamt recht homogen, sein maximales Drehmoment von 320 Nm zeigt der Italiener bei 1.750 Umdrehungen. Das neue automatische Doppelkupplungsgetriebe kommt nur bei diesem Motor zum Einsatz und leistet grundsätzlich gute Arbeit. Einzig in Sachen Ansprechverhalten machten wir Bekanntschaft mit der italienischen Mentalität. Beim Anfahren dürfte das Getriebe noch kurz überlegen, ob der Gasbefehl wirklich bewusst getätigt wurde oder nicht. In Kombination mit dem Start-Stopp-Prinzip ist besonders beim Wegfahren aus Kreuzungen mit bevorrangten Straßen dieser Effekt mitzudenken. Da kann das Procedere des Neustarts mit dem Ansprechverhalten beim Wegfahren gefühlt eine kleine Ewigkeit dauern.

Weiß man jedoch mit der italienischen Gemütlichkeit umzugehen, stören weder Stopp/Start noch die Gedankenpause. Den Sprint auf 100 km/h absolviert der Tipo Kombi DDCT 0,3 Sekunden langsamer als das Schaltgetriebe, nämlich in 10,4 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit gibt der Konzern mit 200 km/h an. Apropos Stopp/Start-System: Dieses verträgt sich leider nur eingeschränkt mit der Berganfahrhilfe. Das heißt: Steht man bergauf und geht der Motor aus, rollt man beim Wechsel vom Brems- auf das Gaspedal noch ein bisschen zurück, bis der Motor anspringt.

Obwohl wir viel unterwegs waren, sahen uns die Tankstellen nur selten, was dem Tipo ein großes Plus einbringt. Beim Verbrauch liegt laut Fiat der Durchschnitt mit 3,9 Liter 0,2 Liter über dem des manuellen Getriebes. Unser Bordcomputer zeigte Werte um die 6 Liter Diesel an. Für den Stadtbetrieb hat man den City-Modus für eine leichtgängigere Lenkung parat. Ansonsten genossen wir den Fahrkomfort des Kombis mit seiner absolut familientauglichen Fahrwerksabstimmung.

Wie auch schon der 5-Türer konnte uns der Tipo Kombi durchwegs überzeugen. Wer gelegentlich etwas mehr zu transportieren hat, wird jedoch mit dem 20 cm längeren Modell mehr anzufangen wissen. Zumal es Fiat gelingt, daraus das Maximum herauszuholen.

Was uns gefällt:

Motor, Ausstattung, Preis, Verbrauch

Was uns nicht gefällt:

Reaktionszeit des Getriebes und Berganfahrhilfe in Kombination mit Stopp/Start

Testzeugnis: 

Ausstattung Sicherheit: 1-
Ausstattung Komfort: 1-
Verbrauch: 2
Fahrleistung: 1
Fahrverhalten: 1
Verarbeitung: 1-
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 2
Kofferraum: 1-
Ablagen: 1
Übersichtlichkeit: 2

Tipp: Mehr Fiat News und Tests sowie die Fiat Händler in Österreich finden Sie hier.

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