Testbericht: Ford Grand C-MAX 2.0 TDCi

(06.11.2015) Der Grand C-MAX soll Funktionalität und Raum bei kompakten Abmessungen bieten. Wir haben ihn zum ausgiebigen Test gebeten.

Seit 2010 bietet Ford den Grand C-MAX mit zwei Schiebetüren als optionalen Sieben-Sitzer in seinem Produktportfolio an. Damit spricht er all jenen Käufern aus der Seele, die ein geräumiges Auto brauchen, aber trotzdem das Parkplatzschicksal auf der Straße oder eines Stellplatzes aus den 70er-Jahren kennen. Mit einer Länge von 4,51 Metern ist der Grand C-MAX zum Beispiel fünf Zentimeter kürzer als der Focus ST und damit oft kleiner als ein Kombi.

Besonders ansprechend ist seine Frontpartie, welche durch den trapezförmigen Kühlergrill und recht schmale Scheinwerfer besticht. Seine Lackierung im neuen Toffee-Braun wird besonders Kaffeeliebhabern Freude bereiten. Mit knapp 800 Euro extra steht der Grand C-MAX auf 18-Zoll Leichtmetallrädern, statt den serienmäßigen 16er Alus. Ford hat auch die Heckansicht des Grand-C-MAX modifiziert, der nun schmalere Rückleuchten besitzt. Die dominante Kofferraumklappe bringt dem Kompaktvan in diesem Test den ersten "Funktionalitätsbonuspunkt".

Wer kennt es nicht: Bepackt mit Schachteln, Kisten oder Sackerln hat man keine Hand frei und natürlich den Schlüssel in der Hand- oder Hosentasche. Im Normalfall heißt es abstellen oder das Ladegut zwischen Fahrzeug und Körper klemmen, um dabei nicht nur einen Kratzer zu riskieren, sondern auch um Zugang zum Kofferraum zu bekommen. Beim Ford deutet man dank sensorgesteuerter Heckklappe (optional) einfach einen Tritt unter die Stoßstange an, und voilá die Klappe öffnet sich automatisch. Selbstverständlich geht das Ganze auch von innen oder per Schlüssel. Schlüsselloses Entriegeln und Starten sind überhaupt ein großes Entgegenkommen für Taschen- und Rucksackliebhaber.

Die stärkste Dieselmotorisierung ist nur in Kombination mit der Titanium-Topausstattung erhältlich. Diese beginnt bei 33.050 Euro. Dafür bietet Ford neben dem Start-Knopf auch das innovative Audiosystem mit Ford-Sync 2 und 8-Zoll Touch-Display an. Im Business-Paket ist auch das Navi inkludiert. Neben einer SMS-Vorlesefunktion kann dieses System per Sprachsteuerung sogar die Klimaanlage steuern. Obwohl wir diesem anfänglich sehr skeptisch gegenüber standen, mussten wir zugeben, dass Ford bezüglich Einfachheit in der Bedienung hier ganze Arbeit geleistet hat.

Unser Testfahrzeug wurde zusätzlich mit einer Fülle an Paketen und Features ausgestattet. Damit wächst der finanzielle Aufwand für dieses Fahrzeug auf 40.918, 83 Euro an. Allen voran steht das Fahrerassistenz-Paket, das wirklich sämtliche Stücke spielt. Spur(halte)-Assistent, Scheinwerfer- und Tot-Winkel-Helferlein sind neben dem Müdigkeitswarner nur ein Teil davon. Beheizbare Sitze, Frontscheibe und Lenkrad sind Teil des Winter-Pakets. Trotz der kompakten Abmessungen sowie der wirklich großzügig ausgelegten Scheiben rundum, sind Parksensoren und Rückfahrkamera hilfreich.

Das Familien-Paket bietet mehr Stauraum in der Mittelkonsole mit einer längs verschiebbaren Armauflage, kleine Tischchen an den Fahrersitzen rückwärts und seitliche Sonnenschutzrollos. Wer schon mal mit Kindern lange Strecken gefahren ist, wird auch die 230 V-Steckdose zu schätzen wissen. Etwas Cabriofeeling versprüht der Innenraum des Grand C-MAX durch das große Panoramaglasdach mit Sonnenschutzrollo. Kostenpunkt dafür: etwas über 1.000 Euro. Basierend auf den Rückmeldungen des Focus legte man beim C-MAX ebenfalls gesteigerten Wert auf reduzierte Bedienelemente, was im Gesamtbild des Interieurs deutlich positiv auffällt. Dezente satinierte Chromapplikationen heben die Wertigkeit.

Man sitzt an allen Positionen bequem. Besonders gelungen ist die Sitzplatzlösung im Fond. Bei Bedarf kann der mittlere Sitz der zweiten Reihe in den benachbarten verstaut werden. Dadurch wird die dritte Reihe weitaus besser zugänglich. Alle Sitze lassen sich komplett flach umlegen, und passende Auflagen machen daraus einen homogenen Laderaum. Dieser beginnt bei 65 Litern (sieben Sitze und Reserve-Notrad) und endet bei 1.742 Litern (bis zu den Vordersitzen beladen bis Dachhöhe und mit Reifen-Reparaturkit)

Ford ist es bei den im neuen Grand C-MAX verbauten Motoren gelungen, den Schadstoffausstoß weiter zu reduzieren. So emittiert der starke 170 PS Diesel mit seinen Zwei-Litern-Hubraum 129 g/km CO2. Wir waren während der Testphase verstärkt im Stadtverkehr unterwegs, doch auch bei längeren Überlandfahrten konnten wir die mit fünf Litern im Kombiverbrauch angegebenen Werte nicht erreichen. Wir pendelten laut Bordcomputer im Bereich zwischen 6,6 und 7,3 Liter, was wir aber angesichts der Pferdestärken für durchaus akzeptabel erachten.

Grundsätzlich liegen dem C-MAX, geschuldet der Van-Bauart, zivilere Gangarten eher als die sportlich spritzigen. Der starke Selbstzünder ist nur in Kombination mit der PowerShift-Automatik erhältlich. Diese arbeitet aber astrein und beherrscht auch den Ampelsprint perfekt, wenn nicht das Start-Stopp-System gerade kurz vor Grün meint, jetzt den Motor abzudrehen. Dann bleibt man Zweiter. Doch laut Werk soll man in 8,8 Sekunden den 100er erreicht haben. Aber ehrlich gesagt, dafür ist der Grand C-MAX auch nicht gedacht. Vielmehr liefert der Ford Kraft, da wo man sie braucht. Beim Überholen, zum Beispiel. Hier merkt man die 400 Nm deutlich, und auch auf Autobahnen macht das Fahren mit ihm durchaus viel Spaß. Die Geschwindigkeitsgrenze übersteigt deutlich die gesetzlichen Richtlinien und endet bei 209 km/h.

Das Fahrwerk wurde komfortabel ausgelegt. Es schluckt Fahrbahnunebenheiten, ohne sich als Schaukelschiff zu outen. Besonders Mitreisende der hinteren Reihen werden dies schätzen. Die Lenkung reagiert spontan, doch wie auch beim starken Focus ST merkt man das Zerren an ihr deutlich, wenn man beherzt aufs Gas steigt, um etwa aus einer Gasse abzubiegen.

Der Grand C-MAX bietet bei kompakten Abmessungen eine durchaus alltagstaugliche Flexibilität, die nicht nur Familienväter anspricht. Dank der zahlreichen Assistenten ist man für viele brenzlige Situationen gut gerüstet, dabei kommen Komfort und Fahrspaß nicht zu kurz.

Was uns gefällt:

Die Fahrleistung, das Raumkonzept, die Heckklappe

Was uns nicht gefällt:

Die Optionsliste, Preis nur bedingt familienfreundlich

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 1
Ausstattung Komfort: 1
Verbrauch: 2
Fahrleistung: 1
Fahrverhalten: 1-
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 1
Kofferraum: 1-
Ablagen: 1-
Übersichtlichkeit: 1-

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