Jaguar XJ Testbericht

(16.06.2011) Der neue Jaguar XJ setzt die mit dem XF eingeführte Designlinie auch in der Luxusklasse fort. In unserem Test zeigt der größte Jaguar mit dem sparsamen Diesel, was er kann.

Jaguar ist schon seit vielen Jahrzehnten im Luxussegment mit der XJ-Baureihe vertreten. Der britische Stil und ein Design, das in seiner grazilen Form an die geschmeidigen Raubtiere gleichen Namens erinnert, haben weltweit ihre Fans gefunden. Doch mit dem neuen XJ wollte Jaguar extravagante Wege beim Design gehen und brachte die Luxuslimousine ganz im neuen Design-Stil auf den Markt. Die Blicke der Passanten sind einem auf jeden Fall sicher - egal ob Mann oder Frau, jung oder alt, fast jeder hat sich den Kopf verrenkt, um den Jaguar XJ mit seinen Blicken zu verfolgen.

Von vorne wirkt der große Jaguar nach wie vor wie sein Namensvetter aus dem Tierreich - sehr gediegen und mit einem Blick, der schon auf den Angriff auf das nächste Opfer wartet. Sehr neu und für viele Jaguar-Fans ungewöhnlich ist das fließende Heck, welches optisch fast wie ein Schrägheck wirkt. Geschmäcker sind ja verschieden, aber wir finden den neuen Jaguar XJ sehr gelungen, da er sehr eigenständig ist und trotz aller Modernität die Gene der Vorfahren noch zu spüren sind.

Das merkt man dann auch im Innenraum, der zwar auch komplett neu gestaltet wurde, aber gleich nach der ersten Begegnung die Passagiere in seinen Bann zieht. Der neue XJ versprüht das gleiche Flair wie seine Vorgänger und bietet weiches, gut duftendes Leder so weit das Auge reicht. Das Design des Armaturenbretts wurde dabei sehr elegant gelöst, und eine um den Innenraum laufende Linie vermittelt ein Gefühl der Geborgenheit. Im starken Kontrast zu den gediegenen Details stehen die hypermodernen Anzeigen der Armaturen, die erst nach Betätigen des Startknopfs eingeblendet werden. Die Ablesbarkeit ist hervorragend, und auch das Design passt sich sehr gut dem noblen Ambiente an.

Während der Fahrt werden in den drei grafisch dargestellten Rundinstrumenten auch verschiedene Dinge, wie etwa die Navi-Steuerung oder die Info zum Tempomat, eingeblendet.

Trotz seiner Länge von 512,2 cm ist der XJ recht eng geschnitten. Zwar bietet er in der ersten Reihe noch vorzügliche Platzverhältnisse, für die Passagiere im Fond wird es aber doch recht knapp. Die sehr bequemen, aber auch klobigen Sitze nehmen viel Platz ein. Wer mehr Platz für die Passagiere benötigt, kann aber noch zur Version mit verlängertem Radstand greifen. Das Kofferraumvolumen ist mit 520 Liter dann wieder ordentlich groß bemessen, und der edle Innenraum kann auch mit vielen Ablagen aufwarten.

Schon in der Serienversion werden die Passagiere mit Ledersitzen, Chrom-Applikationen und Einlagen in Klavierlackoptik verwöhnt. Die Wurzelnussholz-Leiste unseres Testautos, die großzügig rund um den Innenraum verbaut ist, kostet jedoch Aufpreis. Serienmäßig gibt es neben den obligatorischen Sicherheitselementen noch elektrisch verstellbare Ledersitze, ein 400 Watt-Soundsystem, ein 8" Touch-Screen-Farbdisplay, ein Navigationssystem, ein elektrisches Schiebedach, eine zweifärbige Lederausstattung, 18"-Leichtmetallfelgen, Xenon-Scheinwerfer, ein adaptives Fahrwerk und das Jaguar Smart Key System mit schlüsselloser Zugangs- und Start-Möglichkeit. So ausgerüstet startete unser Testauto um 89.130 Euro, mit Extras wie automatisch anklapp- und beheizbaren Spiegeln mit Totem Winkel-Warnsystem, Metallic-Lackierung und der Einparkhilfe kommt man auf einen Gesamtpreis von rund 92.950 Euro.

Neben dem absolut noblen Ambiente gibt es dann aber auch noch den hervorragenden 6-Zylinder-Dieselmotor, der über eine Leistung von 275 PS (202 kW) verfügt und mit einer 6-Gang-Automatik kombiniert ist. Der 3.0 Liter-Motor hat ein maximales Drehmoment von 600 Nm bei 2.000 U/Min und ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h.

Den Sprint von 0 auf 100 km/h erledigt der Jaguar XJ mit 6,4 Sekunden nicht nur sehr schnell, sondern auch äußerst geschmeidig. Selbst die Gangwechsel werden blitzschnell und fast unmerkbar durchgeführt. Die Passagiere werden beim Beschleunigen sanft in die feinen Ledersitze gepresst und wer nicht wüsste, dass er mit einem dieselmotorisierten Auto unterwegs ist, würde dies niemals vermuten.

Die Geräuschdämmung im Jaguar XJ ist absolut vorzüglich. Egal ob hohes Autobahntempo oder schnelle Beschleunigung bis ans Ende des Drehzahlbands - die Passagiere hören weder Motor-, noch Wind- oder Abrollgeräusche.

Bei aller Sportlichkeit bleibt der XJ aber trotzdem die komfortbetonte Luxuslimousine. Schnelle Kurven lassen sich zwar auch meistern, jedoch ist die Fahrwerksauslegung im Normal-Modus dann recht schwammig, und man kommt rein vom Gefühl rasch an seine Grenzen. Auch bei nasser Fahrbahn ist die Raubkatze mit Vorsicht zu genießen. Hier merkt man recht schnell, dass die Elektronik alle Hände voll zu tun hat, um den Jaguar bei zu motiviertem Druck auf das Gaspedal auf der Straße zu halten.

Dafür lassen sich auch weite Strecken absolut ruhig, komfortabel und ohne Strapazen bewältigen. Der Motor ist dabei nicht nur bei Laufruhe und Leistung ein absolutes Sahnestück, auch der Verbrauch ist top. Zwar konnten wir die vom Werk angegebenen 7, 0 Liter Durchschnittsverbrauch nicht erreichen, mit 7,9 Liter ist der große Jaguar aber in Anbetracht der Leistung von 275 PS und dem Gewicht von mindestens 1,8 Tonnen noch immer äußerst sparsam unterwegs. Wer seinen Gasfuß zügelt, kann sicher auch auf die vom Werk angegebenen Werte kommen, jedoch wird der Verbrauch für Kunden in dieser Preisklasse ohnedies nebensächlich bleiben. Der Vorteil der großen Reichweite bleibt aber auch für diese Klientel bestehen. Vor allem hat sich die Dieselmotorisierung auch in dieser Klasse schon etabliert.

Der Jaguar XJ ist auf jeden Fall eine sehr interessante Alternative in der Luxusklasse. Vielleicht sind manche Mitbewerber noch einen Tick perfekter, dafür bietet der XJ sehr viel Flair und eine Eigenständigkeit, die man bei manch anderem Auto dieser Klasse vermisst. Neben der luxuriösen Ausstattung ist vor allem der Motor ein absolutes Highlight. Wer mit dem leicht eingeschränkten Raumangebot zurechtkommt, der wird mit dem feinen XJ auf jeden Fall seine Freude haben.

Was uns gefällt:
Der Motor, die gediegene Ausstattung mit viel Leder, die modernen Armaturen, die Laufruhe, das Geräuschniveau im Innenraum, der Preis, der Verbrauch.

Was uns nicht gefällt:
Das Platzangebot in der zweiten Reihe.

Testzeugnis:

  • Ausstattung Sicherheit: 1-
  • Ausstattung Komfort: 1
  • Verbrauch: 1
  • Fahrleistung: 1
  • Fahrverhalten: 2
  • Verarbeitung: 1-
  • Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
  • Platzangebot Rückbank: 2-
  • Kofferraum: 1
  • Ablagen: 1
  • Übersichtlichkeit: 2

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