Land Rover Defender Testbericht

(19.04.2013) Der Defender ist eine Ikone des Automobilbaus und wird seit 65 Jahren fast unverändert gebaut. Wir haben ihn anlässlich des Geburtstags zum Test begrüßt.

Als im Jahr 1948 die Land Rover-Serie I präsentiert wurde, konnte wohl noch niemand ahnen, wie lange der Offroader im Programm bleiben würde. Dank seiner Aluminium-Karosserie machte sich der robuste Allradler schnell einen Namen als langlebiger und zuverlässiger Begleiter auf Extrem-Abenteuern. Kaum ein anderes Auto kann sich über unwegsamstes Gelände so gut voran bewegen wie der Defender, wie der beliebte Land Rover seit 1990 genannt wird.

In seinen 65 Produktionsjahren wurde der kantige Offroader nur behutsam verändert, vor allem die Technik wurde immer wieder auf einen neueren Stand gebracht, nicht zuletzt, um die immer strenger werdenden Abgasnormen einzuhalten. Doch die Tage für den urigen Geländewagen sollen schon gezählt sein, denn ab 2015 soll es einen Nachfolger geben. Grund genug für uns, das Urgestein aller Offroader nochmals zum Test zu laden und zu schauen, wie es sich mit einem fabriksneuen Offroader heute noch leben lässt.

Für unseren Test haben wir den Defender 110 DCPU gewählt, DCPU steht dabei für Double Cab Pick-Up und die 110 für die mittlere Defender-Größe. Da diese Version als LKW gilt, erspart man sich die NOVA, und der Preis inkl. Steuer liegt bei 31.400 Euro.

Um diesen Preis reduziert sich dabei alles auf das Wesentliche, und der Defender kommt noch ziemlich nackt zum Kunden. Damit wir einen Hauch von Luxus spüren, hat man unserem Testfahrzeug ein 4-Kanal-ABS, das S-Paket mit CD-Radio, Teppichboden, Fensterhebern vorne, Zentralverriegelung mit Fernbedienung und Stoffsitzen, eine Klimaanlage, eine Verdeckplane mit Seitenfenstern, eine Ablagebox zwischen den Vordersitzen, eine Anhängerkupplung und das Winter-Paket mit Sitzheizung und Windschutzscheibenheizung spendiert. Der Gesamtpreis liegt dann bei 38.300 Euro.

Wer mit dem Defender fahren möchte, der muss einmal eine große Hürde nehmen, nämlich den Einstieg, der sich in luftiger Höhe befindet und für ältere Leute ohne Leiter unerklimmbar scheint. Hat man es dann hinter das Steuer geschafft, fühlt man sich in eine andere Zeit zurück versetzt. Kein Airbag und die Reduzierung auf das absolut Nötigste kennzeichnen den eng geschnittenen Innenraum.

Filigran wirkende Hebel rund ums Lenkrad sind für Licht, Blinker und Scheibenwischer zuständig, fühlen sich dann beim Bedienen aber an wie für die Ewigkeit gemacht. Alle Elemente am Defender sind robust ausgeführt und für härteste Bedingungen ausgelegt.

Die Mittelkonsole wurde 2007 aufgefrischt und ist ebenfalls sehr übersichtlich gestaltet. Für große Menschen ist der Defender recht eng, seine schmale Karosserie ist hier eindeutig mehr auf Nutzwert als auf Komfort ausgelegt. Der Vorteil ist nämlich, dass man perfekt aussieht und deshalb das Fahrzeugende vorne wie an der Seite auf den Millimeter genau abschätzen kann, was bei schmalen Gebirgsstraßen, wo es neben dem Fahrzeug gleich mal hunderte Meter bergab geht, wesentlich wichtiger zu werten ist, als die Ellenbogenfreiheit für die Passagiere.

Dafür kann der Land Rover mit über einer Tonne Zuladung die gesamte Expeditionsausrüstung ohne Mühe schleppen.

Damit der Defender im Gelände auch genug Kraft hat, schlummert ein 2,2 Liter Dieselmotor mit einer Leistung von 122 PS (90 kW) unter der kantigen Haube. Sein maximales Drehmoment von 360 Nm liefert der Motor schon bei 2.000 U/Min. Der Motor ist dabei ganz für die Arbeit im Gelände ausgelegt, und auch die manuelle 6-Gang-Schaltung kann mit ihrer kurzen Übersetzung die Offroad-Anforderungen perfekt meistern.

Zudem stehen noch eine Untersetzung und eine Differentialsperre zur Verfügung, wodurch der Defender zu einem der geländegängisten Fahrzeuge der Welt wird. Im Kriechgang schafft der Defender auch ohne Gas zu geben im ersten Gang bis zu 8 km/h und pflügt sich dabei selbst durch den größten Schlamm ohne Probleme durch.

Die maximale Steigfähigkeit liegt bei 45 Grad und wird vom Defender in etwa so einfach bewältigt, wie wenn unsereins am Fußballplatz spazieren geht. Meist geben die Nerven der Passagiere beim Anblick des zu bewältigenden Geländes eher auf, als es der Defender tun würde.

Im Gelände ist der Defender einfach zu Hause, wie wir am ÖAMTC Offroad Zentrum Stotzing  feststellen konnten. Hier merkt man ihm seine 65-jährige Produktionszeit auch nicht an, und er wirkt jung wie ein Welpe. Dass die Zeit nicht spurlos an ihm vorüber gegangen ist, merkt man dann, sobald man wieder auf befestigten Straßen ist.

Fahrwerk und Federung sind ganz den Anforderungen im Gelände angepasst und lassen einen auf asphaltierten Straßen Bodenunebenheiten recht deutlich spüren. Auch bei der Straßenlage merkt man, dass sich der robuste Offroader im Matsch und bei 45 Grad Steigung wohler fühlt.

Schnelle Kurven fühlen sich recht abenteuerlich an, und auch die Fahrleistungen sind dem Alter entsprechend. Um von 0 auf 100 km/h zu kommen, vergehen laut Werk 15,8 Sekunden, in der Praxis fühlt sich dies jedoch wie eine kleine Ewigkeit an. Von einem Pensionisten erwartet man aber auch nicht die gleichen Sprint-Eigenschaften wie von einem jungen Sprint-Champion, womit das auch beim Defender in Ordnung geht. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 145 km/h, doch schon bei 130 km/h hat man in etwa die gleiche Geräusch- und Vibrationskulisse wie beim Start eines Propellerflugzeugs.

Dass der Defender mit seinem kantigen Design und 2 Tonnen Eigengewicht kein Sparmeister ist, braucht man wohl nicht extra zu erwähnen. Die vom Werk angegebenen 11,1 Liter lassen sich bei gemächlicher Fahrweise durchaus realisieren, wer den Defender fordert, sollte aber mit gut 13 Liter rechnen.

Den Defender nach normalen Kriterien zu bewerten, wäre aber nicht fair. Er ist eine Ikone und so fest in der Automobilgeschichte verankert wie die Queen in der Weltgeschichte. Auch wenn den Defender alle anderen Autos in puncto Sicherheit und modernem Raumangebot überholt haben, so schafft er es garantiert, alle anderen Fahrzeuge im Gelände hinter sich zu lassen.

Man kommt mit dem Defender an Orte, wo jedes andere Auto schon aufgeben würde, und es wären wohl noch viele Ecken der Erde unentdeckt, gäbe es den Defender nicht. So schafft er es dann auch, dass wir ihn trotz aller Macken in unser Herz schließen und von den Abenteuern zu träumen beginnen, die andere schon mit ihm erlebt haben.

Was uns gefällt:

dass es den Defender noch immer neu zu kaufen gibt, seine Geländegängigkeit, die Übersichtlichkeit

Was uns nicht gefällt:

das Platzangebot, die Sicherheitsausstattung, die Geräuschdämmung

Testzeugnis: 

Ausstattung Sicherheit: 4-
Ausstattung Komfort: 3
Verbrauch: 3-
Fahrleistung: 4
Fahrverhalten: 3
Verarbeitung: 2
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 3-
Platzangebot Rückbank: 3-
Kofferraum: 1
Ablagen: 3
Übersichtlichkeit: 1

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