Nissan Micra Testbericht

(15.05.2011) Der Nissan Micra ist in die nunmehr vierte Generation gestartet. Wir haben den City-Flitzer mit dem CVT-Automatikgetriebe ausführlich getestet.

Seit der Nissan Micra im Jahr 1983 in der ersten Generation gestartet ist, hat sich viel getan. Über 5,5 Millionen Kunden haben sich für den japanischen Kleinwagen entschieden, und der kleine Nissan steht nun in vierter Generation beim Händler. Der Nissan Micra ist jetzt aber erwachsener geworden, vorbei sind die Zeiten der extravaganten Linien, mit einer neuen Sachlichkeit möchte Nissan den Micra eine Spur hochwertiger positionieren. Trotzdem hat der kleine Nissan seinen "Knuddelfaktor" nicht verloren. Von vorne betrachtet werden immer noch viele Leute im Schauraum dem Charme des treuherzigen Blicks erliegen.

Erfrischend sind dabei auch die neuen Farben, die auf Wunsch etwas Abwechslung ist das Grau der Stadt bringen. Wem "Tangerine" (ein Orange-Ton), "Spring Green", "Active Blue" oder "Intense Red" doch zu gewagt sind, der kann sich noch immer für die Klassiker wie Weiß, Silber, Schwarz, Grau oder das interessante "Nightshade", das unser Testauto zierte, entscheiden. Bei den Motoren nimmt Nissan den Kunden die Qual der Wahl ab und bietet den neuen Micra in nur einer Motorisierung an. Der 1,2 Liter 4-Zylinder Motor mit einer Leistung von 80 PS (59 kW) sollte aber für alle Ansprüche, die man an einen Kleinwagen stellt, genügen.

Für unseren Test haben wir uns für die in der Stadt angenehme Automatik-Version entschieden, die automatisch an die mittlere Ausstattungslinie "Acenta" geknüpft ist. Hier gibt es zum Preis von 13.890 Euro schon jede Menge Goodies serienmäßig. So unter anderem elektrisch einstellbare Außenspiegel, eine Klimaautomatik, Bordcomputer, Lederlenkrad und Lederschaltknauf, eine Radio-CD-Kombination mit Bluetooth-Schnittstelle und 4 Lautsprechern sowie einen Tempomat mit Geschwindigkeitsbegrenzer.

Zusätzlich hatte unser Testauto noch das Nissan Connect Navigationssystem mit 5"-Farbdisplay und Touchscreen inkl. der Radio-CD Kombination mit 6 Lautsprechern und USB-Schnittstelle, das Style Paket mit 15"-Leichtmetallfelgen und Nebenscheinwerfern, die Metallic-Lackierung und den Parkguide inkl. Einparksensoren hinten. In dieser Ausstattungskombination kommt der Micra dann auf 15.910 Euro, was in Anbetracht der üppigen Zutaten ein fairer Preis ist.

Immerhin wirken auch die verwendeten Stoffe und Materialien im Innenraum sehr hochwertig, und bei der Verarbeitung gibt es ebenfalls nichts zu beanstanden. Bei der Bedienung stellt einen der Nissan Micra auch vor keine Probleme, selbst das Navigationssystem ist einfach und intuitiv ohne Blick in die Beschreibung zu beherrschen. Lediglich die Positionierung der Spiegelverstellung ist etwas versteckt links neben dem Lenkrad untergebracht.

Auf seinen 378 cm Länge bietet der City-Flitzer auch jede Menge Platz und eine Vielzahl an Ablagen. Durch die Höhe von 151 cm können auch die Fondpassagiere nicht über zu wenig Kopffreiheit klagen, und auch die Beinfreiheit ist für ein Auto dieser Klasse völlig in Ordnung.

Mit einem Kofferraumvolumen von 265 Liter ist der Micra im Schnitt der Klasse, auf Wunsch kann man durch Umklappen der Rücksitze das Volumen bis auf 1.132 Liter vergrößern. Wer eine ebene Ladefläche benötigt, muss jedoch auch die Sitzbank hochklappen, nur beim Umlegen der Rücksitzlehne entsteht nämlich eine kleine Stufe. Über den ganzen Wagen verstreut finden sich viele Ablagefächer, die sehr durchdacht sind und viel Platz für Kleinkram bieten.

Ein nettes Feature ist auch der Parkguide, der nach Aktivierung per Knopfdruck via Bordcomputer-Display anzeigt, ob eine Parklücke passt oder nicht. Bei diesem System kann das Auto zwar nicht vollautomatisch einparken, es zeigt einem aber, ob man mit dem Micra in die Parklücke passen würde oder nicht.

Der Parkplatz wird dabei von Sensoren in der Stoßstange vermessen, und im Display erscheint anschließend ein Hinweis, ob es der Fahrer bzw. die Fahrerin mit dem Parkplatz versuchen sollte, oder ob die Chancen schlecht stehen. Für die City und die dort herrschende Parkplatznot ein nettes Extra.

Überhaupt ist der Nissan Micra ganz für die Stadt geschaffen. Hier kann der wendige Kleinwagen absolut überzeugen. Der 1,2 Liter Motor mit 80 PS ist auch in Kombination mit dem CVT-Automatikgetriebe in der Stadt spritzig zu bewegen. Hier sind auch die Vorteile der CVT-Automatik am besten zu spüren. Ganz ohne Schaltruckeln gleitet man mit dem Micra von einer Ampel zur nächsten, der Drehzahlbereich bleibt dabei immer in den unteren Regionen und der Geräuschpegel im Innenraum sehr niedrig. Wer außerhalb der Stadt unterwegs ist, merkt aber recht schnell, dass er auch das Wohlfühlgebiet des Micra verlassen hat. Ruft man die volle Leistung ab, wirkt der Motor etwas gequält, und die CVT-Automatik verharrt im oberen Drehzahlbereich, was vor allem akustisch kein Vergnügen ist.

Legt man es darauf an, sprintet der Nissan in 14,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h und ist bis zu 161 km/h schnell. Ist man öfters auf der Autobahn unterwegs, steigt auch der Verbrauch rasant an. Der vom Werk angegebene Durchschnittsverbrauch von 5,4 Liter wurde bei unserer Standard-Runde mit Stadtanteil, Landstraße und Autobahn um 0,6 Liter übertroffen, was aber noch in Ordnung geht. Steigert man den Autobahn-Anteil, dann klettert der Verbrauch aber schnell Richtung 7,0 Liter, auch hier zeigt sich, dass der Micra in der Stadt seine Trümpfe mehr ausspielen kann.

Das zeigt sich auch beim Fahrwerk, welches ganz auf Komfort getrimmt ist. Selbst große Schlaglöcher absorbieren Fahrwerk und Federung perfekt, dafür kommt man aber in schnellen Kurven bald ins Schwimmen. Zum Glück hat der Micra aber serienmäßig ABS, ESP und sechs Airbags, die im Falle eines Falles Schlimmeres verhindern.

Der kleine Nissan ist für die Stadt bestens geeignet, dort ist auch die CVT-Automatik eine wirkliche Erleichterung und sorgt für entspanntes Fahren. Ebenfalls voll punkten kann der Micra beim Preis/Leistungsverhältnis und der Verarbeitung. Weniger gut fühlt man sich mit ihm Überland aufgehoben, wo der Motor in Kombination mit dem CVT-Getriebe an seine Grenzen stößt.

Was uns gefällt:
Die Ausstattung, die Verarbeitung, die Spritzigkeit in der Stadt, der Park-Guide

Was uns nicht gefällt:
Das CVT-Getriebe bei Überlandfahrten, die Geräuschkulisse bei hohen Tempo, das Fahrwerk in schnellen Kurven.

Testzeugnis:

  • Ausstattung Sicherheit: 1-
  • Ausstattung Komfort: 1
  • Verbrauch: 2
  • Fahrleistung: 3
  • Fahrverhalten: 3
  • Verarbeitung: 1
  • Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
  • Platzangebot Rückbank: 2
  • Kofferraum: 1-
  • Ablagen: 1
  • Übersichtlichkeit: 1

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