Testbericht: Porsche Taycan GTS Sport Turismo

(10.11.2022) Mit dem Taycan möchte Porsche seine Gene in das Elektroauto-Zeitalter transferieren. Ob dies gelungen ist, verraten wir in unserem Test.

Der Porsche Taycan ist der erste rein elektrische Porsche, der in Großserie gebaut wird, und hat damit ein sehr schweres Erbe anzutreten. Immerhin leben die Sportfahrzeuge aus Zuffenhausen bislang vom Reiz der kernigen Benzinmotoren.

Vielleicht hat man sich deshalb auch beim ersten Elektroauto für eine Limousine entschieden, da Käufer eines viertürigen Porsches ohnedies schon deutlich mehr Kompromisse eingehen als die eingefleischten 911er-Fans.

Wer den Taycan auch eine Spur praktischer haben möchte, der greift zum Sport Turismo, der mit seinem Shooting Brake-Heck nicht nur einen größeren Kofferraum bietet, sondern aus unserer Sicht auch optisch an Format gewinnt.

Das breite Heck mit dem markanten LED-Rücklichtern ist sicher die Schokoladenseite des Taycan. Eine gute Wahl trifft man auch mit der GTS-Version, die in der Mitte der Modellreihe positioniert ist.

Ohne Extras ist unser Testfahrzeug auf einen Listenpreis von 135.847,64 Euro gekommen, wobei natürlich noch sehr viel Spielraum nach oben ist.

Unter anderem hatten wir noch den durchaus interessanten Farbmix aus „Coffeebeige metallic“ für die Karosserie und eine Lederausstattung in Clubleder Olea in „Trüffelbraun“.

Weitere Extras waren die Porsche Surface Coated Brake mit Bremssätteln in Schwarz, 21“-Felgen im Mission E-Design, der Park Assistent inkl. Surround View, klimatisierte Komfortsitze, eine Wärmepumpe, der Mobile Charger Connect sowie einige kleine optische Feinheiten, wie etwa das Porsche Logo auf den Sitzen oder die Gurte in Trüffelbraun.

Feiner Innenraum

Auch an Bord war ein Panoramaglasdach, welches jedoch nur absolut sonnenhungrige Kunden bestellen sollten, da es ohne eine Rollo auskommt und im Sommer den Innenraum zum Backofen umfunktioniert.

Der Gesamtpreis summierte sich auf jeden Fall auf 157.498,04 Euro und hat zu unserer großen Überraschung noch nicht einmal einen adaptiven Tempomat oder einen Toten-Winkel-Warner beinhaltet, was bei einem Auto dieser Preisklasse eigentlich nicht fehlen sollte.

Optisch zeigt sich der Innenraum von einer sehr modernen Seite, ohne aber auf klassische Porsche-Merkmale zu verzichten. Porsche hat sein klassisches Cockpit hier sehr gekonnt modernisiert. Im Detail hat man jedoch leider etwas übertrieben.

So kann man die Lüftungsdüsen nicht einfach manuell verstellen, sondern muss über den Touchscreen für die Klimasteuerung ins Menü gehen, welches dann am oberen Touchscreen geöffnet wird, um dort die Luftströmung zu variieren. Komplizierter hätte man eine einfache Aufgabe kaum gestalten können, zumal wir keine wirklich optimale zugfreie Einstellung gefunden haben.

Auch der hinterm Lenkrad verstecke Hebel für die Fahrtrichtungswahl ist aus unserer Sicht nicht optimal platziert. Ebenso, dass es nur USB-Anschlüsse unter der Mittelarmlehne gibt. Wer eine Dashcam oder ein externes Navi anstecken möchte, muss das Fach offen lassen, da sonst die Kabel einklemmt werden.

Gut gelungen sind der Digitaltacho, bei dem man verschiedene Infos einblenden kann, und der Touchscreen, der mit einer einfachen Bedienung und schönen Darstellung der Navi-Karten aufwarten kann.

Tolle Sitze

Ein Highlight sind auch die klimatisierten Ledersitze, die perfekten Halt bieten und sehr bequem sind. Trotz einer Länge von knapp fünf Metern ist das Platzangebot aber sehr gering, vor allem im Heck hat man nicht mehr Platz als in einem durchschnittlichen Kleinwagen.

Das Kofferraumvolumen ist mit 446 bis 1.212 Litern zwar auch nicht riesig, aber dennoch sehr brauchbar. Zudem gibt es unter der Fronthaube nochmals 84 Liter Stauraum, hier kann man sehr gut die Ladekabel unterbringen.

Ganz ein Porsche ist der Taycan GTS natürlich bei den Fahrleistungen. Die Leistung der E-Motoren liegt bei 517 PS (380 kW) und kann mit einer Overboost-Funktion mit der Launch Control kurzfristig auf 598 PS (440 kW) gesteigert werden.

Der Fahrer kann via Drehrad am Lenkrad auch verschiedene Fahrmodi aufrufen, wobei der absolute Fahrspaß natürlich im Sport Plus-Modus geliefert wird.

Die Elektronik schafft es dabei sehr gut, die enorme Schubkraft von bis zu 850 Nm perfekt auf die Straße zu bringen. Völlig geräuschlos sprintet man bei Aktivierung der Launch Control in nur 3,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h, nach 12 Sekunden hätte man schon Tempo 200 km/h am Tacho.

Bei der Höchstgeschwindigkeit muss man sich aber mit 250 km/h begnügen. Beeindruckend ist die Leistungsentfaltung auch beim Zwischensprint, wer von 80 auf 120 km/h beschleunigen möchte, benötigt für diese Aufgabe nur 2,1 Sekunden.

Perfekte Straßenlage

Was natürlich fehlt, ist der von Porsche gewohnte Motorsound. Wer möchte kann zwar via Fahrzeugeinstellungen am Touchscreen den „Electric Sport Sound“ aktivieren, was sich aber leider auch nur so anhört, als hätte man am Staubsauger die Turbo-Taste gedrückt.

Trotz aller Sportlichkeit erlebt man im Normalmodus eine sehr komfortable Federung. Im Sport-Modus ist diese etwas straffer, zudem liegt der Wagen hier sehr tief. In der Stadt werden die vielen Bodenschweller im Sport-Modus so schon zum unüberbrückbaren Hindernis, weshalb man hier besser im Normalmodus unterwegs ist.

So beeindruckend die Fahrleistungen und die Straßenlage sind, seine Größe und sein Gewicht kann der Taycan nur schwer kaschieren. Vor allem auf engen kurvigen Straßen hat man das Gefühl mit einem Kreuzfahrtschiff, das auf Speed-Boot getrimmt ist, unterwegs zu sein. Mit einer Breite von 214,4 cm ist man auch bei Autobahnbaustellen dazu verdammt, auf der Lkw-Spur unterwegs zu sein.

So kann man aber zumindest im Windschatten der Brummis die Reichweite maximieren. Laut Werk soll die 93,4 kWh-Batterie für rund 424 bis 490 Kilometer Reichweite sorgen. Tatsächlich ist der Netto-Wert der Batterie aber nur 83,7 kWh und beim vom Werk angegebenen Verbrauch von 22,7 kWh sind so rein rechnerisch schon mal nur 368 Kilometer möglich.

Wir sind im Test auf eine Reichweite von rund 350 Kilometer gekommen. Immerhin kann man mit bis zu 270 kW laden, womit man die Batterien in rund 23 Minuten von 5 auf 80% aufladen kann. Vermisst haben wir jedoch Wippen hinter dem Lenkrad, um die Rekuperation zu steuern, dies ist nur via Touchscreen in drei Modi (An/Aus/Auto) möglich.

Der Porsche Taycan GTS Sport Turismo ist auf jeden Fall ein faszinierendes Auto, welches jedoch nicht frei von Widersprüchen ist. Auf der einen Seite hat man trotz knapp fünf Metern Länge nicht mehr Platz als in einem Kleinwagen, auf der anderen Seite liefert er beeindruckende Fahrleistungen und kann mit einem coolen Look aufwarten.

Was uns gefällt:

Das Design, die Sitze, der Antrieb, der Fahrspaß, die Straßenlage, die Schubkraft

Was uns nicht gefällt:

Das Platzangebot im Fond, die Reichweite, dass man die Lüftungsdüsen nicht manuell verstellen kann, die Sicherheitsausstattung

Testzeugnis:

Ausstattung Sicherheit: 4
Ausstattung Komfort: 1
Verbrauch: 2
Fahrleistung: 1
Fahrverhalten: 1
Verarbeitung: 1-
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1
Platzangebot Rückbank: 4
Kofferraum: 3-
Ablagen: 3-
Übersichtlichkeit: 4

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