Der neue Suzuki Jimny im Test

(05.04.2019) Der japanische Kultoffroader startet mit seiner vierten Generation. Wodurch dieser Suzuki zum Verkaufsschlager schlechthin wurde, lesen Sie im folgenden Testbericht.

Obwohl sich die SUV´s immer mehr in unserem Straßenbild durchsetzen, haben nur mehr die wenigsten echte Offroad-Gene. Bei den meisten beschränkt es sich auf die erhöhte Sitzposition, und mehr als Gehsteigkraxeln will man ihnen nicht zumuten. Der Jimny war und ist hier anders.

Die Ingenieure sind der Geländegängigkeit treu geblieben und ließen sich nicht vom Lifestyle-Schicki-Micki-Flair der neuen Hochbeiner blenden. Im Gegenteil, der neue Jimny zeigt sich optisch im echten Geländeoutfit - quasi back to the roots mit steiler A-Säule und kantigem Design. Hier geht es nicht um dynamische Linien, sondern um jene Eigenschaften, die man braucht, wenn man abseits befestigter Straßen vorwärts kommen will. Trotzdem: Wenn der Jimny so vor uns steht, kann man nur sagen, man hat dem Kleinen wirklich echte Ausdrucksstärke verliehen. Die runden LED-Scheinwerfer, der Kühlergrill mit den senkrechten Lufteinlässen, die großen eckigen Seitenspiegel und die mit schwarzem Kunststoff verkleideten Radkästen - mehr Offroad geht optisch nicht.

Hier geht es schon sehr in Richtung Jeep und Land Rover der ersten Stunde. Und genau das ist es, was uns und viele andere (glaubt man dem Händler und seiner Aussage über die Warteliste) anspricht. Der Suzuki Jimny ist einfach kultig und das zum niedrigen Preis. In der Topausstattung "flash" ist unser Dreitürer bereits ab 21.490 Euro zu haben. Obwohl es für den Jimny auch eine spezielle Farbe namens "Kinetic Yellow" gibt, finden wir unseren in Jungle Green so richtig waidmännisch. Selten, dass wir das Bedürfnis gehabt hätten, beim Aussteigen mit "Waidmanns Heil" zu grüßen - in diesem Fall aber schon.

Mittels Fernbedienung verschaffen wir uns Zutritt zu unserem Kompakt-Offroader. Kompakt deshalb, weil er mit seiner Länge von 3,65 m wirklich in jede Parklücke hineinpasst, und mit 9,8 m Wendekreis lässt er sich auch gut rangieren. Beim Einsteigen merkt man die 21 cm Bodenfreiheit, die den Suzuki nicht nur über Gehsteige klettern lässt. Die beiden vorderen Sitze sind komfortabel, bieten aber wenig Seitenhalt. Dafür lassen sie sich im Winter mittels Taster hinter der Handbremse beheizen. Die Fensterheber sind beim Jimny ebenfalls in der Mittelkonsole zu finden. Aufgrund seiner schmalen Breite von 1,65 m kann man zwar problemlos bis zur Beifahrertür hinübergreifen, kommt sich aber mit den Schultern während der Fahrt nicht in die Quere.

Zum Glück verzichtete man beim Jimny auf eine Auslegung für 5 Personen, denn diese wäre ohnehin nur am Papier möglich gewesen. Durch die niedrige Sitzhöhe hinten können, falls erforderlich, noch zwei Personen einigermaßen bequem mitfahren. Doch sehr wahrscheinlich wird die Rückbank aus Platzgründen zumindest teilweise umgeklappt bleiben, denn die Ladekapazität mit aufgestellter Rückbank beträgt lediglich 85 Liter. Legt man die Rücklehnen um, so erweitert sich der Raum auf bis zu 830 Liter. Nun ja, der erlegte Hirsch oder Rehbock wird einen anderen Weg nach Hause finden müssen, aber für den einen oder anderen Fasan oder Hasen ist nun genug Platz - Waidmanns Dank!

Bei der Gestaltung des Interieurs machte man bei Suzuki ebenfalls keine halben Sachen. Der Offroadlook findet hier seine fast bis ins Detail liebevolle Umsetzung. Dabei wurde darauf geachtet, dass alle Bedienelemente jederzeit, also auch bei unruhigem Untergrund, gut zu erreichen sind. Außerdem hat man sich auf pflegeleichte und kratzfeste Kunststoffe beschränkt, damit der Suzuki wirklich alltagstauglich für Wald und Flur ist.

Selbst wenn der Jimny ein echter Waldbursche ist, darf ein wenig Komfort nicht fehlen. Bei unserer Topausstattung "flash" findet man so unter anderem ein Audio-System mit Navi und Bluetooth-Freisprecheinrichtung sowie der Möglichkeit, sein Smartphone für Android Auto und Co. zu koppeln. Gesteuert wird das Ganze über das höhenverstellbare Lederlenkrad oder über den Touchscreen, der leicht erreichbar ist.

Allzeit gut klimatisiert fährt sich unser Geländefreund durch seine automatische Klimaanlage, und wer für eine Kühlbox einen 12 V-Anschluss braucht, der findet ihn sowohl im Armaturenbrett als auch im Kofferraum. Dort befindet sich überdies eine Box, die Pannendreieck und andere Kleinigkeiten schluckt. Die beheizbaren Außenspiegel sind bei der flash-Ausstattung schwarz lackiert, und für den optimalen Sichtschutz gibt es sogar Privacy Glass.

Motorisch setzt Suzuki auf einen 102 PS starken Benzinmotor mit 1,5 Liter Hubraum. Setzt man den quirligen Japaner vorwiegend in dem für ihn bestimmten Terrain abseits befestigter Straßen ein, so sind diese durchaus ausreichend. Auch in der Stadt kommt man damit gut voran. Auf Autobahnen stößt man daber doch sehr rasch an seine und unsere Grenzen. Bereits bei 145 km/h erreichen wir das Maximum der Bauartgeschwindigkeit, und seine 4.250 Touren bei 140 km/h veranlassen uns, den rauen Motor in Kombination mit den starken Windgeräuschen mit einem Lauterdrehen der Audioanlage zu quittieren. Ein sechster Gang wäre vielleicht akustisch angenehmer. Geschaltet wird unser Jimny überdies per Handschaltung, wobei der Schalthebel durch seine Länge und die damit verbundenen Schaltwege eine Hommage an alte Zeiten darstellt. Aber sie rasten präzise ein!

Nach einem kurzen Ausflug über Österreichs Autobahnen, widmeten wir uns dann doch mehr dem Einsatz abseits befestigter Straßen. 130 Nm Drehmoment liefert der Suzuki bei 4.000 Umdrehungen, jedoch wäre all das ohne das Allgrip-Pro-Allradantriebssystem für das anspruchsvollere Gelände zu wenig. Manuell per Hebel hinter dem Schalthebel kann man den Hecktriebler auf Allrad umstellen. Bei Bedarf ist eine Untersetzung möglich. Selbstverständlich verfügt unser Testfahrzeug über eine Traktionskontrolle, diese schaltet sich jedoch bei der Untersetzung aus. Aufgrund der kurzen Überhänge verfügt der Jimny über 37° Böschungswinkel vorne und 49° hinten. 28° Rampenkippwinkel sind für unseren Bergfex ebenfalls keine Schwierigkeit. Aufgrund des kurzen Radstands, der sehr soften Federung und letztendlich der "Ballonreifen" neigt der Jimny dazu, wie ein Feldhase über Unebenheiten zu "hoppeln". Hier leisten die Haltegriffe beifahrerseitig den Mitfahrenden gute Dienste.

Selbst wenn Suzuki beim Jimny auf klassische Stilelemente achtet, die Sicherheit kommt trotzdem nicht zu kurz. So besitzt er neben einer Bergan- und -abfahrhilfe auch einen Bremsassistenten, der im Notfall automatisch in den Bremsvorgang eingreift. Des Weiteren finden sich in unserem Testfahrzeug ein Spurhalteassistent, eine Verkehrszeichenerkennung sowie ein Müdigkeitswarner.

Obwohl mit dem Jimny vor allem das Fahren abseits asphaltierter Wege riesigen Spaß macht, zwingt uns der 40 Liter-Tank doch immer wieder zur Zapfsäule. Wobei der Verbrauch mit 7,8 Litern laut unserem Bordcomputer doch im moderaten Bereich liegt.

Abschließend können wir eines feststellen: Wir wissen jetzt, woher die Warteliste für den neuen Jimny kommt. Das Fahrzeug ist einfach Kult, und dies lässt uns über alle anderen Faktoren wie Leistung, Motordämmung und dergleichen einfach milde hinweglächeln. Just for fun!

Was uns gefällt:

echter Offroader, Geländeoutfit, Preis

Was uns nicht gefällt:

Motorleistung, Motordämmung, Kofferraum

Testzeugnis: 

Ausstattung Sicherheit: 1-
Ausstattung Komfort: 2
Verbrauch: 2
Fahrleistung: 2-
Fahrverhalten: 2,  Offroad: 1
Verarbeitung: 1
Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1-
Platzangebot Rückbank: 3
Kofferraum: 3-
Ablagen:2
Übersichtlichkeit: 1

Tipp: Mehr Suzuki News und Tests sowie die Suzuki Händler in Österreich finden Sie hier.

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