AGES-Veterinäre für Abklärung bei Pferdekrankheit ausgezeichnet

(01.10.2015) Im Frühjahr 2015 mussten zwei Pferde in Oberösterreich wegen Verdachts auf Pferdeenzephalomyelitis eingeschläfert werden. Als Krankheitsursache wurde die Bornasche Krankheit festgestellt.

Diese Virus-Erkrankung wurde bei Pferden in Österreich das letzte Mal vor 17 Jahren nachgewiesen. Nachdem 2015 in Deutschland über Todesfälle beim Menschen berichtet wurde, die mit einem neuartigen Bornavirus infiziert waren, war die genaue Abklärung der Infektion bei den oberösterreichischen Fällen von besonderer Bedeutung.

AGES Die Abklärung erfolgte durch die Veterinäre des Nationalen Referenzlabors für Pferde-Enzephalomyelitiden am AGES-Institut für Veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling. Eingebunden war auch die Bornavirus-Arbeitsgruppe der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

Phylogenetische Analysen zeigten, dass es keinen Zusammenhang mit den humanen Erkrankungen in Deutschland gibt. Vielmehr handelt es sich bei den Fällen in Oberösterreich um eine Ausweitung des bayrischen Borna-Endemiegebiets.

Die Ergebnisse dieser Abklärung wurden Anfang September bei der Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Veterinärpathologie präsentiert; der Vortrag "Extension of the Bavarian Borna Disease endemic area to upper Austria: Pathological and virological investigations of two horses" wurde ausgezeichnet (Z. Bagó (AGES), S. Revilla-Fernández (AGES), J. Kolodziejek, H. Weissenböck, G. Palmetzhofer, N. Nowotny und F. Schmoll (AGES): Extension of the Bavarian Borna Disease endemic area to upper Austria: Pathological and virological investigations of two horses.)

Bornasche Krankheit

Die Bornasche Krankheit wird durch das Mammalian 1 Bornavirus aus der Familie der Bornaviridae verursacht. Sie wird vor allem bei Pferden und Schafen und gelegentlich bei anderen Säugetieren in den Endemiegebieten (Deutschland, Schweiz, Österreich) nachgewiesen.

Auch der Mensch kann sich mit Bornavirus infizieren. Wissenschafter des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) und des Bernhard-Nocht Instituts für Tropenmedizin (BNITM) identifizierten im Jahr 2015 ein neues Bornavirus bei Bunthörnchen.

Dieses Virus wurde höchstwahrscheinlich von Bunthörnchen auf drei Züchter übertragen, die in den Jahren 2011 bis 2013 mit den Symptomen einer Gehirnentzündung in Kliniken in Sachsen-Anhalt verstorben waren. Dieses neuartige Bornavirus wurde bei Pferden bisher nicht nachgewiesen.


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