ARGE Papageienschutz zieht in ein Riesenglashaus

(15.03.2022) Ab April 2022 werden 170 bunte Vögel ins ehemalige Gewächshaus der Universität Wien in Wien-Alsergrund übersiedeln. Die Bundesimmobiliengesellschaft BIG stellt es zur Zwischennutzung zur Verfügung.

Spätestens seit Corona wissen wir alle, wie lange sich zwei Jahre anfühlen können. Was, wenn zudem noch eine Räumungsklage droht? Das weiß die Arbeitsgemeinschaft Papageienschutz, die seit 2020 auch noch um das Überleben ihres Schutzzentrums bangen musste.

Die Medien berichteten. Sieben Jahre erfolgloser Suche waren bis dahin bereits ins Land gezogen. 170 gestrandete Papageien und Sittiche waren von Obdachlosigkeit bedroht. Bis zum Herbst 2021.


Denn als sich Österreich gerade wieder einmal auf den nächsten Lockdown vorbereitete, öffnete sich für den Verein die entscheidende Tür.

Weihnachtswunder mit Tropenflair

„Es ist wie Heimkommen“, schwärmt die Zoologin und Vereinsgründerin Nadja Ziegler über das, was sie Weihnachtswunder nennt.

Ein Riesenglashaus im Herzen von Wien, bis vor kurzem Teil des Biologiezentrums der Universität Wien, das inzwischen umgezogen ist. Ziegler hat selbst dort studiert und in der Folge auch gelehrt, aber nicht nur das. Über 20 Jahre hatte sie auch angrenzend gewohnt und vom Fenster sehnsüchtig auf das Glashaus geschaut.

„In Gedanken habe ich unsere Papageien dort fliegen gesehen,“ erinnert sich Ziegler. Bis ins tiefste Waldviertel und an den Neusiedlersee hatte die verzweifelte Suche nach einer neuen Station sie schon geführt. Dutzende Liegenschaften wurden besichtigt, einige davon näher ins Auge gefasst, Pläne gemacht, doch dann kam wieder das Aus.

Zu wenig Eigenmittel für einen Kauf oder Neubau oder unzumutbare Mietbedingungen verhinderten den Auszug aus dem seit 2008 betriebenen Tierheim in Vösendorf bei Wien.

Tropenvögel auf dünnem Eis

Daher gab es auch im August des Vorjahres, als der Verein sein 25jähriges Jubiläum beging, nichts zu feiern. Den ohnehin vom Leben gezeichneten, langlebigen exotischen Wildvögeln stand das Wasser bis zum Hals.

Als hätte es nicht gereicht, dass sie ihren Lebensräumen entrissen oder unter fragwürdigen Bedingungen gezüchtet worden waren und ihr halbes Leben meist einzeln in kleinen Käfigen verbracht hatten. Sollte jetzt, wo sie endlich tiergerecht verpaart waren und gruppenweise in geräumigen Fluggehegen untergebracht waren, alles enden? Nein.

 Rettung in letzter Minute

„Wenn etwas nicht funktioniert, hat das Schicksal noch etwas Besseres vorgesehen.“ Dieses Motto erhielt Ziegler die Motivation. Im Oktober 2021 wurde es Realität. Denn das Biologiezentrum der Universität Wien zog vom Neunten ins neue University of Vienna Biology Building im 3. Bezirk.

Ziegler wandte sich umgehend an die Eigentümerin, die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG). Und dann ging alles sehr schnell. Der Besichtigung des Glashauses folgte eine Präsentation zur Errichtung eines Artenschutzzentrums mit Schwerpunkt Papageien.

Aktuell wird das Glashaus für die neue Nutzung adaptiert, die Infrastruktur und die Pflanzen, die nicht ins neue Biologiezentrum übersiedelt werden konnten, werden weiterverwendet. Ab April 2022 können die Vögel die Regenwaldatmosphäre im Glashaus genießen.

Die BIG stellt das Glashaus bis Ende 2025 zur Verfügung. Vier Klimazonen und Flughöhen bis sechs Meter machen es möglich. Papageien gehören zu den vom Aussterben bedrohten Vogelgruppen. Sie zu schützen und das Wissen um ökologische Zusammenhänge voranzutreiben, ist ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz. Deshalb soll der Standort auch eine Bildungsstätte für Groß und Klein werden.

Arbeiten unter Palmen

Für den Verein freilich bedeutet der geplante Umzug erst einmal Investitionen und viel Arbeit. Denn das Glashaus muss für den Einzug der Vögel adaptiert werden. Bisher war es der Erforschung von Pflanzen gewidmet. Schon bald sollen dort Graupapageien, Aras und Co. herumfliegen.

Aus langjährigen Mitgliedern und einem Team aus Pflegerinnen und Pflegern entstand ein ehrenamtlicher Bautrupp, der den Umbau vorantreibt und noch Verstärkung sucht. Die Vision einer artgerechten Haltung der exotischen Schützlinge, die so enge Beziehungen zueinander und zum Menschen eingehen, ist Motor genug, um die Ärmel aufzukrempeln und anzupacken.

Weitere Visionäre und Sponsoren für den repräsentativen Glasbau sind höchst willkommen!

www.papageienschutz.org

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