Geschichte der Präparation

(14.04.2015) Um 1900 herum gab es einen wahren Boom der großen Jagdtrophäen. Große Werkstätten, die im Namen ihrer berühmten Meister nach bestimmten Methoden arbeiteten, entstanden. Zu nennen ist hier etwa Philipp Leopold Martin (1815–1885), der Erfinder der Dermoplastik (griechisch derma = Haut, plastein = bilden).

Auch Friedrich Kerz (1842–1915), Hermanus H. ter Meer (1871–1934) oder Carl E. Akeley (1864–1926) zählten zu den berühmten Dermoplastikern. Die Haltbarmachung der verwendeten Tierhäute erfolgte durch Gerbung oder Fixierung.


Ausstellung "Die präparierte Welt" im Naturhistorische Museum Wien

Im Rahmen der Geschichte der Präparation ist auch der große österreichische Anatom Josef Hyrtl (1810–1894) zu nennen, der die halbe Welt mit anatomischen Präparaten versorgte, die wegen ihrer Schönheit für Aufsehen sorgten.

Hyrtl gilt als Begründer der sogenannten modernen "Korrosionstechnik", bei der in Gefäße und Hohlräume verschiedenster Organe Präparationsmischungen eingespritzt werden und nach dem Aushärten das umliegende Gewebe entfernt wird.

Ausstellung "Die präparierte Welt"

Ausstellung „Die präparierte Welt“

Vom 15. April bis zum 4. Oktober 2015 zeigt das Naturhistorische Museum Wien eine Ausstellung zu Geschichte, Materialien und Methoden der wissenschaftlichen Tierpräparation
Weiterlesen

Die Anforderungen an die Qualität der Präparation haben sich in den letzten 200 Jahren deutlich erhöht. Besonders das steigende Angebot von Bild- und Filmmaterial ermöglicht heute sehr rasch den kritischen Vergleich zwischen Abbild und Original, was ständige Verbesserung der Präparationsleistungen zur Folge hatte. Moderne Exponate halten dem Vergleich mit dem Bild des lebenden Tiers nicht nur stand,

sie zeigen sogar mehr Details und sind eben keine Kopie, sondern ein Original. Was sich im Lauf der Zeit verändert hat, sind vor allem die Materialien: Statt Stroh, Heu und Torf kommen Holzwolle, PU-Schaum und Epoxidharze zum Einsatz.

Neue Methoden wie die Gefriertrocknung wurden entwickelt, Gifte wie das früher regelmäßig verwendete Arsen wurden nach Möglichkeit aus den Konservierungsprozessen verbannt. Aber das Prinzip des Präparats ist unverändert: das dauerhafte Haltbarmachen eines Originals.
Naturwissenschaftliche Präparate

Die verschiedenen Tiergruppen stellen ganz unterschiedliche Anforderungen, was ihr „Haltbarmachen“ anlangt. Während etwa Muschelschalen oder Schneckenhäuser so gut wie keiner Behandlung bedürfen, um aufbewahrt werden zu können und Insekten in vielen Fällen lediglich einer Trocknung unterzogen werden müssen, sind für Wirbeltiere sehr aufwändige Verfahren nötig, um ihre Erhaltung zu ermöglichen.

Insbesondere dann, wenn die entstandenen Präparate auch einen Schauwert haben sollen.

Alkohol-Präparat Die einfachste Form der Konservierung besteht darin, den gesamten Körper in eine Konservierungsflüssigkeit einzulegen. In der Regel dient dazu Alkohol (vergälltes Ethanol, 70%). Oft geht der Konservierung des Objekts in Ethanol eine Behandlung mit Formol voraus, einem Fixierungsmittel, das Autolyse und Fäulnis von Geweben stoppt.

Für die Konservierung von Weichtieren oder sensiblen Organismen wie z.B. Quallen ist eine Fixierung mit Formol sogar unerlässlich. Formol ist allerdings auch giftig, weshalb es nach einigen Tagen durch Ethanol ersetzt werden sollte.

Alkoholpräparate haben den Vorteil, dass der gesamte Organismus erhalten bleibt. Meist werden Fische, Amphibien und Reptilien so aufbewahrt, aber auch Vögel oder Säuger werden gelegentlich in Alkohol konserviert (Jungtiere).

Zwar führt Alkohol zu einem Ausbleichen der Farben, Vertreter der genannten Gruppen verlieren ihre natürliche Färbung allerdings in jedem Fall bereits wenige Stunden nach dem Tod. Ein weiterer Vorteil von Alkoholpräparaten besteht darin, dass erhaltenes Gewebe sehr lange für genetische Untersuchungen (DNA) geeignet ist.

Aus diesem Grund werden heute in vielen Fällen gesonderte Gewebeproben von neu einlangendem Material als Alkoholpräparat aufbewahrt. Hinsichtlich ihres Schauwerts gelten Alkoholpräparate als wenig attraktiv, für wissenschaftliche Sammlungen sind sie aber unersetzlich.

Balg Als Balg wird die abgezogene und gegerbte Haut eines Tieres bezeichnet. Balgpräparate werden von Säugetieren und Vögeln angefertigt. Durch die an der präparierten Haut ansitzenden Haare bzw. Federn werden wichtige Informationen erhalten.

Balgpräparate sind wichtiger Bestandteil wissenschaftlicher Vogel- und Säugetiersammlungen. Bälge dieser Gruppen behalten ihre Farben, sodass Balgpräparate auch einen nicht zu unterschätzenden Schauwert haben. Sie haben darüber hinaus den Vorteil, in der Unterbringung platzsparender zu sein als „Stopfpräparate“ und sie erfordern deutlich weniger Aufwand als die Herstellung einer Dermoplastik.

Skelett Ob Ganz- oder Teilskelett: für die Anfertigung eines entsprechenden Präparats ist es nötig, die Knochen vollständig von jedwedem sonstigen Gewebe zu befreien. Dies geschieht zunächst mechanisch durch den Präparator, oft nach Einlegen des Organismus in Mazerationsflüssigkeiten (Enzymlösungen).

Letztlich kommen tierische Helfer für die Präparation zum Einsatz: Das vorgereinigte Skelett bzw. seine Teile werden Speckkäferlarven „zum Fraߓ vorgesetzt. Die Insekten – eigentlich gefürchtete Schädlinge musealer Sammlungen – sorgen innerhalb einiger Wochen für die Endreinigung der Knochen.

Skelettpräparate sind Träger wichtiger morphologischer Informationen. Zu wissenschaftlichen Zwecken werden die einzelnen Elemente eines Skeletts einfach in geeigneten Behältern aufbewahrt, für Schauzwecke werden montierte Skelettpräparate angefertigt, d.h. das Skelett wird mit Hilfe von Stützelementen wieder aufgebaut.

Dermoplastik Eine Dermoplastik ist die dreidimensionale Rekonstruktion eines gesamten Tieres. Ausgangspunkt ist in jedem Fall die präparierte Haut, also der Balg des Tieres, mitunter kommen noch weitere „Originalteile“ des Tiers zum Einsatz (etwa Geweih, Hufe, Zähne).

Während bis vor einigen Jahrzehnten der Balg eines Tiers mit diversen Füllmaterialien wie Stroh, Moos, Hanf oder auch Torf „ausgestopft“ wurde (daher der Begriff „Stopfpräparat“), was mitunter zu wenig authentischen Ergebnissen führte, dienen heute in der Regel Kunststoffkörper, die exakt an die Art und Größe des Objekts angepasst werden, als Träger für die Rekonstruktion des Körpers.

Zur Feinabstimmung der Körperform dienen Watte und Holzwolle. Zum Schutz gegen Insektenfraß wurden Dermoplastiken früher mit Arsen behandelt. Heute wird dieses Gift durch Eulan ersetzt, einer Mischung aus zwei insektenvernichtenden Stoffen, die in der Textilindustrie zum Einsatz kommen.

Die Herstellung einer modernen Dermoplastik ist fraglos die Königsdisziplin der zoologischen Präparation. Die möglichst authentische Wiedergabe des Habitus eines Tieres erfordert nicht nur höchstes handwerkliches Geschick, sondern auch umfangreiches Wissen über das zu präparierende Tier.

Entsprechend aufwändig gestalten sich oft Recherchen, die in Zusammenarbeit mit den Fachwissenschaftlern durchgeführt werden. Bild- und Filmstudien sind oft unerlässlich, um etwa Feinheiten der Bewegung zu erkennen und im Präparat umsetzen zu können.

Entsprechende Präparate haben höchsten Schauwert und sind sehr aufwändig. Sie kommen daher in erster Linie für Ausstellungen und Präsentationen zum Einsatz.

Modellbau Am NHM Wien wird – wie an anderen großen naturwissenschaftlichen Museen – wissenschaftlicher Modellbau betrieben. Ziel ist dabei die möglichst naturgetreue Nachbildung dreidimensionaler Objekte, wobei auch maßstabsgerechte Vergrößerungen oder Verkleinerungen angefertigt werden können.

In einem Haus wie dem NHM Wien, das größten Wert auf die Originalität seiner Exponate legt, kommt dem Modellbau immer dann eine Schlüsselrolle zu, wenn aus didaktischen Gründen eine Vergrößerung benötigt wird, weil das Original einfach zu klein ist, als dass der Betrachter seine Komplexität oder die Funktion von Strukturen ohne weiteres erkennen könnte.

Oder aber, wenn sich das Original trotz seiner Größe für eine Präparation einfach nicht eignet. Man denke etwa an Quallen oder Weichtiere wie Schnecken, Muscheln oder Tintenfische. Ein weites Feld für Modellbauerinnen und Modellbauer!

Ausgangspunkt für die Arbeit des wissenschaftlichen Modellbaus sind Fotos, mikroskopische Aufnahmen, Präparate und direkte Beobachtungen am lebenden Objekt. Für die Anfertigung von Modellen kommen heute in erster Linie Kunststoffe zum Einsatz, Modelliermassen aller Art, PU-Schäume, Kunstharzlaminate, usw.

Es gibt aber im Prinzip kaum Materialien, die ein kreativer Modellbauer nicht einsetzen würde. Ob Glas, Holz oder Metalle: Was immer dem natürlichen Aussehen des Modells dienlich ist, wird auch verwendet. ModellbauerInnen sehen alltägliche Dinge mit anderen Augen als Normalsterbliche und sind immer auf der Suche nach neuen Materialien, um ihren Schöpfungen noch mehr Natürlichkeit geben zu können.

ModellbauerInnen verbinden ähnlich wie PräparatorInnen biologische Fachkenntnisse mit sowohl künstlerischen als auch technischen Fertigkeiten. Die Anfertigung eines Modells dauert oft Monate, am Ende steht in der Regel ein Unikat, das einen entsprechend hohen Wert repräsentiert.

Oft ist der Weg zum eindrucksvollen Modell durch Fehlversuche und technische Sackgassen ein steiniger. Erfahrung ist bei dieser Tätigkeit unbezahlbar! Von Pflanzen etwa kann man Abgüsse anfertigen und so Rohlinge für Modelle gewinnen.

Aber: Die Laubblätter der Zwerg-Schwertlilie lassen sich problemlos abgießen, die Blütenblätter jedoch nicht. Sie verbinden sich permanent mit dem als Gussmittel verwendeten Silikon.

Die hochkomplexen Blätter der Brennnessel mit ihren filigranen Brennharen können hingegen problemlos „kopiert“ werden.

Eine besondere Herausforderung im Modellbau stellt die Rekonstruktion ausgestorbener Arten dar. Von ihnen gibt es keine Bilder und eine Beobachtung ist allenfalls bei noch heute lebenden verwandten Arten möglich.

Ein Beispiel für eine solche Art ist der Terrorvogel (Paraphysornis brasiliensis), eine rund zwei Meter große, flugunfähige und sich räuberisch ernährende Vogelart, die vor über 20 Millionen Jahren ausgestorben ist.

Ausgangspunkt für die Anfertigung eines Modells dieser Art, die in enger Kooperation mit den Paläontologen des NHM erfolgte, war der Abguss eines fossilen Schädels, der zusammen mit einem weitgehend intakten Skelett in den 1980er Jahren in Brasilien gefunden worden war.

Gemeinsam mit Fotos und Maßen des Skeletts diente der Abguss als Grundlage für die Anfertigung eines Metallskeletts, über das ein PU-Schaumkörper gegossen und zu Recht geschnitzt wurde. Der so entstandene Körper wurde mit präparierten Vogelhäuten (Truthahn, Strauß aus Zuchten) überzogen und Details wie Federn wurden einzeln eingesetzt.

Die Glasaugen wurden handgemalt, sie orientieren sich an der Färbung, die bei den vermutlich nächsten Verwandten der Terrorvögel, den heute im zentralen und östlichen Südamerika lebenden Seriemas, auftritt.

So stellt jedes Projekt, ob Rekonstruktion ausgestorbener Arten, ob Anfertigung didaktischer Modelle oder auch der Bau von Dioramen, die Modellbauerin oder den Modellbauer vor neue Herausforderungen und macht diesen Beruf überaus abwechslungsreich und spannend!


Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Ausstellung "Die präparierte Welt"

Ausstellung „Die präparierte Welt“

Vom 15. April bis zum 4. Oktober 2015 zeigt das Naturhistorische Museum Wien eine Ausstellung zu Geschichte, Materialien und Methoden der wissenschaftlichen Tierpräparation
Weiterlesen

Robert Illek, Leiter der Zoologischen Hauptpräparation, NHM Wien

Technische Einrichtungen der Hauptpräparation des NHM Wien

Die Hauptpräparation des NHM Wien hat in den letzten Jahren eine schwungvolle Entwicklung durchgemacht. In technischer Hinsicht und in Hinblick auf die Qualifikation des MitarbeiterInnenstabes ist das NHM Wien international mehr als konkurrenzfähig
Weiterlesen

Internationale Jahrestagung des Verbandes deutscher PräparatorInnen

53. Internationale Jahrestagung des Verbandes deutscher PräparatorInnen

Vom 21. bis 25. April 2015 richtet das Naturhistorische Museum Wien die Jahrestagung des VDP (Verband Deutscher PräparatorInnen) aus
Weiterlesen

[X]
Hinweis zur Nutzung von Cookies

Diese Website nutzt Cookies zur Bereitstellung von personalisierten Inhalten, Anzeigen, Inhalten von sozialen Medien und zur Analyse des Benutzerverhaltens. Die mit Hilfe von Cookies gewonnenen Daten werden von uns selbst sowie von uns beauftragten Partnern in den Bereichen soziale Medien, Online-Werbung und Website-Analyse genutzt. Durch den Besuch unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.

Mit der weiteren Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr erfahren...