Kaiseradler von Windrad getötet

(22.11.2021) Der im Jahr 2021 besenderte Jungadler „Johannes“ geriet im Oktober 2021 in eine Windkraftanlage im Weinviertel. Es ist die weltweit erste im Detail dokumentierte Kollision eines Adlers mit einer Windkraftanlage.

Insgesamt kamen bereits sieben Kaiseradler an Windrädern in Österreich zu Tode. BirdLife Österreich fordert daher die stärkere Berücksichtigung gefährdeter Arten beim Ausbau erneuerbarer Energien.

Kaiseradler Johannes wuchs in einem Nest im Nordburgenland auf und wurde dort Ende Juni 2021 von BirdLife mit einem Satellitensender ausgestattet. Nach kleineren Ausflügen in der Umgebung des elterlichen Nestes brach er Anfang Oktober zu seiner ersten größeren Reise auf, die ihn für einige Tage bis in die Gegend von Dukovany (CZ) führte.


Kaiseradler Johannes tot mit fehlender rechter Schwinge

Am 12. Oktober 2021 flog er wieder in Richtung Heimat, von Laa an der Thaya schnurstracks 55 Kilometer in Richtung Südsüdwesten. Sein Flug endete plötzlich, als er in eine Windkraftanlage im östlichen Weinviertel geriet, von einem Rotorblatt erwischt wurde und abstürzte.

„Da wir Johannes mit einem Telemetriesender ausgestattet hatten, konnten wir ihn rund um die Uhr beobachten und auch seinen letzten Flug vollständig nachvollziehen“, berichtet Matthias Schmidt, Greifvogelexperte bei BirdLife Österreich.  

Dem jungen Kaiseradler wurde von der Spitze eines Rotorblatts der rechte Flügel abgetrennt, er starb - den Senderdaten zufolge – direkt an der Unfallstelle.

Risiko: Windkraftanlage

So tragisch dieser Zwischenfall auch ist, ist dies jedoch kein Einzelschicksal. Johannes ist einer von vier Kaiseradlern, die in den letzten beiden Jahren ihr Leben durch Kollision mit Windkraftanlagen verloren. Insgesamt sind aus Österreich sieben dokumentierte Fälle bekannt. Das entspricht mehr als einem Fünftel aller tot aufgefundenen Kaiseradler in Österreich und ist somit die zweithäufigste dokumentierte Todesursache, so die aktuelle Statistik der Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich.

„Wenn auch zur Bewältigung der Klimakrise der Ausbau der erneuerbaren Energie ein entscheidender Teil der Lösung ist, so sollte dies nicht auf zu hohen Kosten der Biodiversität erfolgen“, so Schmidt und weiter: „Die Auswirkung der Windkraftnutzung auf die Vogelwelt wird oft unterschätzt. Die Windkraftnutzung betrifft einige, oft naturschutzfachlich sehr sensible Arten überproportional stark und kann für deren Schutz ein ernst zunehmendes Problem darstellen, wie etwa für den Kaiseradler mit seiner sehr filigranen Population von nur 30 Brutpaaren.“

Bekenntnis: Erneuerbaren Energie mit Artenschutz

BirdLife Österreich bekennt sich zur Energiewende, warnt jedoch vor dem kompromisslosen Ausbau erneuerbarer Energien. Schmidt: „Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung ist es wichtig, dass auch bei zukünftigem Ausbau der Windparkanlagen die Biodiversität und die Vogelwelt im Speziellen berücksichtigt wird.

Bestehende Zonierungen inklusive deren Ausschlusszonen müssen für die Windkraft aufrecht bleiben. Für neue Standorte braucht es fundierte Erhebungen, die eine seriöse Beurteilung zulassen und unabhängig durchgeführt werden.“ Um einheitliche Standards in Bewilligungsverfahren zu fördern, hat BirdLife Österreich einen Leitfaden zur naturgerechten Planung von Windkraftanlagen erarbeitet. Nun läge es an den Behörden aber auch den Betreibern, dieser Entwicklung stärkeres Augenmerk zu widmen, so BirdLife Österreich.

Haupttodesursache: Mensch

Hauptverantwortlich für die meisten Todesfälle von Kaiseradlern ist der Mensch und sein illegales Nachstellen. Etwa ein Drittel aller in Österreich aufgefundenen Kaiseradler ist Opfer von vorsätzlicher Jagd oder Gifteinsatz. Seit seiner Rückkehr als Brutvogel vor 20 Jahren sind trotz seiner Seltenheit mehr als zehn durch Greifvogelverfolgung zu Tode gekommene Kaiseradler zu beklagen – die Dunkelziffer dürfte ein Vielfaches höher liegen.

Daher hat sich BirdLife Österreich im Rahmen des EU-geförderten PannonEagle LIFE Projekts (LIFE15/NAT/HU/000902) mit dem WWF und neun Organisationen aus fünf Ländern die Bekämpfung der illegalen Greifvogelverfolgung zum Ziel gesetzt. Finanziell unterstützt wird das Projekt vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus.

Schutzgut: Kaiseradler

Der Kaiseradler (Aquila heliaca) zählt zu Österreichs herausragenden Naturschätzen. In den vergangenen beiden Jahrhunderten hatte der Greifvogel einen schlechten Stand in Mitteleuropa und wurde rigoros verfolgt. Ende der 1980er lebten nur noch wenige Dutzend Paare in Ungarn und der Slowakei.

Erst durch intensive Schutzbemühungen erholten sich die Bestände des Kaiseradlers und Ende der 1990er kehrte der majestätische Greif als Brutvogel nach Österreich zurück, wo er knapp 200 Jahre als ausgestorben galt. Die Art findet sich allerdings sowohl hierzulande als auch weltweit nach wie vor auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.



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