Besenderter Kaiseradler in Serbien vergiftet aufgefunden

(10.01.2018) Neuerlich muss die Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich den Tod eines Kaiseradlers vermelden. Kaiseradler-Dame Desiree wurde kurz vor dem Verlassen des Nestes am 22. Juni 2017 im Nordburgenland besendert.

Ein halbes Jahr und mehr als 4.200 Flugkilometer später meldete der Sender keine Aktivität mehr. Desiree wurde am vergangenen Sonntag von Menschenhand getötet, vermutlich mittels Gift. Jeder zweite besenderte Kaiseradler ist damit Opfer illegaler Verfolgung.

Den Tod der Kaiseradler-Dame zeigten die Telemetrie-Daten, die Matthias Schmidt, Greifvogelexperte von BirdLife Österreich, täglich überwachte. Er berichtet: „Desirees Flugaktivität ging am vergangenen Sonntag, den 7. Jänner, ganz plötzlich auf null zurück. Auch die Temperatur des Senders sank dramatisch.“


esiree lag relativ offen auf einem Acker in der Nähe der Stadt Apatin in Serbien

Daraufhin verständigte Schmidt seine serbischen Kollegen des internationalen PannonEagle LIFE Projektes (das den länderübergreifenden Schutz des Kaiseradlers zum Ziel hat), die Desiree tot auffanden.

„Desiree lag relativ offen auf einem Acker in der Nähe der Stadt Apatin in Serbien. Die Füße waren verkrampft und Blut rann aus dem Schnabel!“, weiß Milica Miskovic von Bird Protection Serbia zu berichten. Derzeit wird die Todesursache untersucht, alles deute auf einen Giftanschlag hin.

Internationale Zusammenarbeit im Greifvogelschutz

Aufgrund des internationalen Greifvogelschutz-Projektes (PannonEagle LIFE) ist es nun möglich, dass die ungarischen Kollegen mit den Giftspürhunden Carlo und Falco die serbische Fundstelle genauer untersuchen.

Selbst Drohnen kommen bei der Suche nach Indizien zur Todesursache sowie möglicher weiterer Todesopfer zum Einsatz.

„Durch das Hinzuziehen der Hunde finden wir deutlich mehr vergiftete Tiere und Giftköder“, berichtet Gábor Deák von BirdLife Ungarn. „Dadurch können wir das Ausmaß eines Vergiftungsfalles besser dokumentieren und mehr Beweise sammeln“.

Hälfte der besenderten Kaiseradler tot

20 Kaiseradler, darunter auch Desiree, hat BirdLife Österreich in den letzten sieben Jahren mit Sendern ausgestattet.

Die traurige Statistik zeigt: Sieben Kaiseradler wurden Opfer illegaler Greifvogelverfolgung, von drei weiteren Tieren fehlt jede Spur.

Damit ist die illegale Verfolgung durch den Menschen die mit Abstand häufigste Todesursache für Kaiseradler in Mitteleuropa.

Desirees Reise

Desiree war ein „Östlicher Kaiseradler“ (Aquila heliaca), eine weltweit bedrohte Art mit Verbreitungsschwerpunkt in den asiatischen Steppen. Der Großteil der mitteleuropäischen Population brütet in Ungarn, in der Slowakei sowie in Österreich.

Desiree wurde gemeinsam mit ihrem Bruder Hubertus am 22. Juni 2017 im Nordburgenland besendert. Im September 2017 verließ sie ihr elterliches Revier mit ersten großräumigen Erkundungsflügen nach Ungarn, in die Slowakei und nach Tschechien.

„Danach flog sie nach Südungarn, Kroatien, Serbien sowie Bosnien und Herzegowina“, erzählt der Greifvogelexperte Schmidt, „um anschließend die Steiermark und Kärnten zu erkunden.

Dass sie soweit westlich unterwegs war, ist ungewöhnlich, denn Nachweise von Kaiseradlern in Kärnten sind äußerst rar!“ Von dort aus flog sie über Slowenien, Ungarn und Kroatien zurück nach Serbien, wo sie am 7. Jänner verendete.

„In Summe ist Desiree in sechs Monaten mehr als 4.200 Kilometer geflogen und hat acht Länder, also fast die gesamte Region des Pannonischen Becken, dem Herzstück der Europäischen Kaiseradlerpopulation besucht“, vermeldet Matthias Schmidt.

„Desiree zeigt, dass Greifvögel und damit auch unser Greifvogelschutz keine Ländergrenzen kennen. Gemeinsam mit unseren nationalen und internationalen Partnern werden wir weiterhin dafür kämpfen, dass der Greifvogelverfolgung endlich ein Ende gesetzt wird!“

Meldekontakte

„Das Um und Auf für die Aufklärung ist die rasche Meldung eines Verdachtes!“, betont Schmidt und appelliert: „Falls Sie tote Tiere, Fleischköder oder ähnliches finden, melden Sie uns diese bitte über die „Birdcrime“-APP (verfügbar auf Android-Geräten), die online-Meldeplattform: www.kaiseradler.at/content/fall-von-greifvogelverfolgung-melden, per Mail direkt an mich matthias.schmidt@birdlife.at sowie unter der Gift-Hotline: 0650/2734965!“


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