BirdLife Österreich und die Vogelwarte errichten Kunsthorst: Weidenkorb für Überleben der Kaiseradler

(03.12.2018) Aufgrund des geringen Angebotes von alten und stabilen Bäumen in der Kulturlandschaft zählen Horstabstürze zu den häufigsten Ursachen von Brutverlusten des Kaiseradlers in Österreich.

Künstliche Nisthilfen können Abhilfe schaffen und den Bruterfolg erhöhen. Die Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich und die Österreichische Vogelwarte an der Vetmeduni Wien brachten daher einen Kunsthorst im Bezirk Tulln (NÖ) an.

Seit 1999 brütet er wieder in geringer Zahl in Österreich. Dieses Jahr erbrüteten 19 Brutpaare 28 Jungvögel.


Kunsthorst: Weidenkorb für Überleben der Kaiseradler

Der ideale Horstbaum des Kaiseradlers ist ein alter, großer Baum mit starken und stabilen Seitenästen oder ausladenden Stammgabeln. Dort kann er in Höhen von zumeist fünfzehn bis 25 Metern seine Horste, die einen Durchmesser von bis zu 1,5 Meter erreichen, sicher anlegen.

In unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft sind derartige Bäume allerdings Mangelware. Kaiseradler weichen zwangsläufig auf weniger stabile Bäume wie Silberpappeln aus - mit dem Resultat, dass die Horste sehr fragil angelegt sind, immer wieder abstürzen und die Jungvögel zu Grunde gehen.

Allein dieses Jahr starben vier Jungadler aufgrund von Horstabstürzen. Durch das Anbringen von Kunsthorsten soll ein höherer Bruterfolg gewährleistet werden.

Fragiler Bestand in Österreich

„Die heimische Kaiseradlerpopulation ist mit den knapp 20 Brutpaaren nach wie vor fragil, wobei die Verluste durch illegale Verfolgung eines der größten Probleme darstellen“, weiß Matthias Schmidt, Greifvogelexperte von BirdLife Österreich und ergänzt: „Durch die Schaffung von Kunsthorsten und der damit verbundenen Verbesserung des Bruterfolgs, erhoffen wir uns zumindest einen Teil der menschlich verursachten Mortalität zu kompensieren.“

Kunsthorste für höheren Bruterfolg

„Gegen Ende der heurigen Brutsaison stürzte der Horst eines Kaiseradlerpaares hier im Weinviertel ab. Glücklicherweise überlebte der Jungvogel“, berichtet Richard Zink von der Österreichischen Vogelwarte an der Vetmeduni Wien.

„Dank des Engagements eines vogelkundlich interessierten Bauern konnten wir nun in dieser Gegend auf einem stabilen Horstbaum einen Kunsthorst errichten und hoffen, dass dieser dem Kaiseradler ein erfolgreiches Brüten im kommenden Jahr ermöglicht!“

Kunsthorste dienen in erster Linie als stabile Grundlage für den weiteren Ausbau, den die Kaiseradler nach der Revierbesetzung im Frühling selbst vornehmen.

Projekte zum Schutz des Kaiseradlers

„Mit der Realisierung und Finanzierung einer Außenstelle der Österreichischen Vogelwarte in der Gemeinde Grafenwörth ist es uns gelungen, die Zusammenarbeit zum Schutz unserer Vogelpopulationen zu intensivieren“, zeigt sich LH-Stv. Pernkopf erfreut.

In Niederösterreich, das den Großteil der heimischen Kaiseradlerpopulation beherbergt, wird der Kaiseradler-Schutz vom Land Niederösterreich im Rahmen eines gesonderten Artenschutzprojektes unterstützt. Durch ein umfangreiches Monitoring wird die Bestandsentwicklung dokumentiert und darauf aufbauend Schutzmaßnahmen umgesetzt.

Im Rahmen des internationalen pannonEagle LIFE Projekts (LIFE15/NAT/HU/000902) setzen BirdLife Österreich und der WWF einen Schwerpunkt zur Bekämpfung der illegalen Greifvogelverfolgung, die nach wie vor die Haupttodesursache für Greifvögel in Mitteleuropa darstellt. Finanziell unterstützt wird das EU-geförderte Projekt dabei vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus.


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