Giftanschläge auf Rotmilane in Oberösterreich

(07.08.2019) BirdLife Österreich und der OÖ. Landesjagdverband verurteilen die illegale Verfolgung von Greifvögeln auf das Schärfste

Zumindest zwei Rotmilane sind in Oberösterreich dieses Jahr durch illegale Vergiftungsanschläge getötet worden.

Je ein Rotmilan wurde bereits im April in den Bezirken Braunau und Grieskirchen tot aufgefunden - wie das nun vorliegende eterinärmedizinische Gutachten belegt, vergiftet.


Vergifteter Rotmilan in Meggenhofen

Zeitgleiche Funde toter Mäusebussarde lassen auf weitere Opfer verbotener Greifvogelverfolgung schließen. Sowohl das Artenschutzprojekt für den Rotmilan in Oberösterreich als auch ein Schweizer Forschungsprojekt sind dadurch negativ betroffen.

Ein getötetes Rotmilan-Weibchen wurde in Meggenhofen gefunden, in seinem Umfeld eine auffällige Häufung toter Mäusebussarde. Der zweite Rotmilan in der Gemeinde Auerbach.

Im Rahmen des PannonEagle LIFE-Projekts veranlasste die Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich die Untersuchung beider Vögel. Wie die Befunde nun zeigen, wurden beide Rotmilane mit dem Pflanzenschutzmittel Carbofuran getötet, in einem Rotmilan konnte zusätzlich eine Schrotkugel nachgewiesen werden. Beide Fälle wurden von BirdLife zur Anzeige gebracht. Das Landeskriminalamt Oberösterreich ermittelt.

Qualvoller Tod durch Pflanzenschutzmittel

„Das EU-weit verbotene, aber immer wieder für Vergiftungen von Wildtieren ausgelegte Mittel Carbofuran führt sehr schnell zur Lähmung und die Tiere bleiben oft in der Nähe der Köder liegen“, weiß Hans Uhl, Projektleiter des Artenschutzprojekts Rotmilan von BirdLife Österreich: „Der Tod selbst kann sich aber über mehrere Stunden qualvoll ziehen. Hunde- und Katzenbesitzer im Umfeld dieser illegalen Aktionen fürchten zurecht um das Leben ihrer Haustiere.“

Schaden für das landesweite Artenschutzprojekt Rotmilan

Die seit wenigen Jahren wieder nach Oberösterreich einwandernden Rotmilane brüten in Oberösterreich mit nur rund 20 Paaren und zählen so landes- und europaweit zu den gefährdetsten Greifvögeln.

BirdLife stützt die regionale Wiederausbreitung mit Hilfe des Landes OÖ. und vielen Jägern durch Bestandserhebungen und Horstschutzmaßnahmen.

„Wenn einzelne Greifvogelhasser zu illegalen Methoden greifen, gehört ihnen mit allen rechtlichen Konsequenten das Handwerk gelegt. Derartige Vergiftungsaktionen können ohne Selektion alle Tiere treffen, die an Aas gehen - vom seltenen Rotmilan oder Seeadler bis hin zum Haushund. Diese dummen und verwerflichen Praktiken schaden nicht nur den Wildtierpopulationen, sondern richten sich auch gegen das öffentliche Interesse des Naturschutzes. Wir verlangen deshalb die härtest möglichen Strafen für den oder die Täter!“, so Hans Uhl von BirdLife Österreich.

Oberösterreichs Landesjägermeister Herbert Sieghartsleitner ergänzt: „Vor bereits über 15 Jahren hat die Jägerschaft in Oberösterreich eine Initiative gesetzt, um Gifteinsatz in der Natur nicht nur zu verurteilen, sondern auch in der Folge zu verhindern – mit Erfolg.

Leider gibt es nun offenbar wieder vereinzelt Personen, die glauben, mit Gift bestimmte Tierarten bekämpfen zu müssen. Leidtragende sind nicht nur Greifvögel, sondern auch andere Aasfresser, und nicht zuletzt Jagd- und Haushunde.

Auch zahlreichen Jägern, die Rotmilan- und andere seltenere Greifvogelsichtungen melden, sind zurecht über derartige Vorfälle verärgert! Im Bezirk Braunau gibt es im Projekt „Rebhuhn, Kiebitz und Co“ übrigens auch seit Jahren erfolgreich brütende Rotmilane. Somit setzen wir alles daran, die Täter zu überführen.“

Neben Lebensraumverlust macht Greifvögeln europaweit vor allem die illegale Verfolgung zu schaffen. BirdLife Österreich und der WWF haben sich daher im Rahmen des EU-geförderten PannonEagle LIFE Projekts (LIFE15/NAT/HU/000902) gemeinsam mit neun weiteren Organisationen aus fünf Ländern die Bekämpfung der illegalen Greifvogelverfolgung zum Ziel gesetzt.

Finanziell unterstützt wird das Projekt vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus.

Besenderte Rotmilane in der Nähe der Vergiftungsaktion

Unweit einer der Fundorte im Innviertel hatte sich 2019 erstmals ein Rotmilan-Weibchen niedergelassen, das 2017 im Rahmen eines Forschungsprojekts in der Westschweiz mit GPS-Loggern besendert worden war. Inzwischen sind auch ihre zwei diesjährigen Jungvögel im Innviertel mit einem Sender versehen. Damit wird deutlich, dass von solchen illegalen Vergiftungsaktionen auch internationale Forschungs- und Schutzprogramme zum Rotmilan betroffen sein können.

Das von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach durchgeführte Forschungsprojekt versucht durch die ständige Lokalisation von besenderten Rotmilanen zu klären, wie die Vorkommen der Art Generationen übergreifend in Mitteleuropa zusammenhängen und welche regionalen Mortalitätsursachen existieren.


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