BirdLife Österreich richtet eine Meldestelle für Trichomoniasis-Verdachtsfälle ein

(18.06.2018) Seit dem Jahr 2012 tritt während der Sommermonate bei Grünfinken die Vogelkrankheit Trichomoniasis auf, die durch einzellige Parasiten hervorgerufen wird. Seither haben sich die Bestände des Finkenvogels mehr als halbiert. Die Parasiten verbreiten sich auch über Futterstellen und Vogeltränken.

Daher empfiehlt die Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich, diese regelmäßig zu kontrollieren und zu säubern. Wer kranke oder tote Vögel beobachtet, soll die Fütterung sofort einstellen, um weitere Ansteckung zu verhindern und dieses unter office@birdlife.at oder der Telefonnummer 01/5234651 melden.

Grünfinken oder Grünlinge sehen - grob gesprochen - aus wie gelbgrüne Spatzen und gehörten bis vor wenigen Jahren zu den 15 häufigsten Singvogelarten Österreichs. Die Brutvogel-Erfassung durch BirdLife Österreich ergab im Jahr 2012 einen bundesweiten Bestand von 235.000 Brutpaaren.


Grünfink

Seither ist mehr als jeder zweite Grünfink verschwunden. Schuld daran ist ein einzelliger Parasit namens Trichomonas gallinae, der die Grünfinken bevorzugt als Wirt benutzt.

„Zwischen dem starken Bestandsrückgang und dem Auftreten dieser Krankheit besteht ein Zusammenhang“, erörtert Norbert Teufelbauer von BirdLife Österreich und ergänzt: „Das Auftreten der Trichomoniasis beschränkt sich derzeit fast ausschließlich auf den Grünfinken.

Warum das so ist, ist Gegenstand aktueller Forschung sowie die Frage, warum sich die Bestände nach einem vierjährigen, kontinuierlichen Einbruch im Jahr 2017 erstmals nicht weiter verringert haben.“

Symptome der Erkrankung

„Die ersten Symptome einer Trichomoniasis-Erkrankung sind aufgeplusterte Vögel, die krampfhaft zu fressen versuchen“, erklärt Rene Brunthaler, Pathologe an der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

Die Parasiten befallen den vorderen Verdauungstrakt, vor allem den Kropf der Vögel, und rufen dort schwerwiegende Entzündungen hervor.

Es bilden sich dabei bis zu mehrere Millimeter große, knopfartige gelbe Gebilde, die der Krankheit neben dem wissenschaftlichen Namen Trichomoniasis oder Trichomonadose den deutschen Namen „Gelber Knopf“ eingetragen haben.

„Die befallenen Vögel können nicht mehr schlucken und würgen bereits aufgenommene Nahrung wieder aus. Oft leiden sie auch unter Atemproblemen und sterben“, berichtet der Pathologe.

„Außerdem fliegen kranke Tiere nicht weg, wenn man sich ihnen nähert, sondern sitzen aufgeplustert herum, als sei ihnen kalt.“ Letztes ist deshalb auffällig, weil die Krankheit nach heutigem Wissensstand nur im Sommer auftritt, wenn die Vögel für gewöhnlich keinen Grund haben, sich aufzuplustern.

Keine Medikamente, dafür Vorbeugung

„Während es üblich ist, Heimtiere bei Krankheiten mit Medikamenten zu behandeln, so ist das bei Wildtieren nicht möglich“, erläutert der Vogel-Pathologe Brunthaler, „außer die Ausbreitung der Seuche dort zu verhindern, wo es zu größeren Ansammlungen kommt, wie an Futterstellen.“

Der Parasit ist in Wasser bis zu 24 Stunden lebens- und fortpflanzungsfähig, sodass es leicht aus der Schnabelhöhle eines kranken Vogels über das Wasser in der Tränke zu einem anderen, bis dahin gesunden Vogel gerät.

Daher ist bei Auftreten kranker oder toter Vögel ist die Fütterung im Garten sofort einzustellen, Futterreste zu entfernen sowie Futtergeräte und Vogeltränken mit heißem Wasser zu reinigen. Brunthaler beruhigt: „Für Menschen und Haustiere besteht keine unmittelbare Ansteckungsgefahr - sofern grundsätzliche Hygienemaßnahmen, wie Händewaschen nach Säuberung der Futterstelle, eingehalten werden.“

Kranke Tiere melden

Um dem besorgniserregenden Bestandsrückgang des Grünfinken weiterhin auf den Grund gehen zu können, ruft BirdLife Österreich alle Vogelfreunde auf, Trichomoniasis-Verdachtsfälle zu melden: „Verständigen Sie uns unter office@birdlife.at oder unter der Telefonnummer 01/5234651, wenn Sie kranke oder tote Vögel im Garten beobachten. Stellen Sie in diesem Fall die Vogelfütterung sofort ein und achten Sie auf die Hygiene der Futterstelle.“


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