Erstmals Zertifikatsverleihung für geprüfte AssistenzhundehalterInnen

(04.07.2015) Hunde unterstützen Menschen mit Behinderung im Alltag. Dass die sogenannten Assistenz- oder Therapiebegleithunde den hohen Ansprüchen gerecht werden, dafür garantiert seit Anfang des Jahres eine verpflichtende Prüfung.

Gemeinsam mit Sozialminister Rudolf Hundstorfer und Rektorin Sonja Hammerschmid vergab die Prüfstelle am Messerli Forschungsinstitut der Vetmeduni Vienna heute die ersten Zertifikate an erfolgreiche Teams aus Mensch und Hund. Anschließend besuchte der Bundesminister das Clever Dog Lab des Messerli Forschungsinstituts.


Sozialminister Rudolf Hundstorfer, Rektorin Sonja Hammerschmid, Erwin Pellet (Wirtschaftskammer Wien), Karl Weissenbacher (Leiter der Prüf- und Koordinierungsstelle Assistenz- und Therapiebegleithunde)

22 HalterInnen von Assistenzhunden sowie 20 HalterInnen von Therapiebegleithunden erhielten heute, den 29. Juni 2015, ihr Zertifikat für die bestandene Prüfung. Mit dem Zertifikat wird bestätigt, dass der Hund für seine spezielle Aufgabe gesundheitlich geeignet und sozial verträglich ist und dass das Team Mensch-Tier gut funktioniert.

Die bestanden Prüfung für Assistenzhunde und ihre HalterInnen ist Voraussetzung für den Eintrag in den Behindertenpass, die staatliche Förderung und das offizielle Logo Assistenzhund. Während Assistenzhunde rund um die Uhr bei ihren BesitzerInnen sind, kommen Therapiebegleithunde in speziellen Einrichtungen stundenweise zum Einsatz.

Neue Prüfstelle durch Gesetzesnovelle

Mit der Änderung des Bundesbehindertengesetzes, gültig seit 1. Jänner 2015, wurde im Auftrag des Sozialministeriums am Messerli Forschungsinstitut der Vetmeduni Vienna eine Prüfstelle für Assistenz- und Therapiebegleithunde eingerichtet. Bundesminister Rudolf Hundstorfer dazu: „Der Einsatz von Assistenzhunden und Therapiebegleithunden für Menschen mit Behinderung erfordert eine besondere Sorgfalt aller Beteiligten. Die Hunde müssen hohen Anforderungen an Gesundheit, Wesen, Sozial- und Umweltverhalten genügen und sehr gut ausgebildet sein.

Im Interesse der Menschen mit Behinderung und der Öffentlichkeit ist mir daher die qualitätsbezogene Beurteilung ein großes Anliegen. Mit dem Messerli Forschungsinstitut als Prüfstelle habe ich eine unabhängige und vielseitige wissenschaftliche Institution mit der Abwicklung der Beurteilungen betraut, die den Anforderungen des Tierschutzes gerecht wird.“

Wissenschaftliche Erkenntnisse fließen in Beurteilung ein

Das Messerli Forschungsinstitut beschäftigt sich wissenschaftlich mit den Bedürfnissen von Hunden. Im institutseigenen Clever Dog Lab werden umfassende Studien zum Verhalten und zu den sozialen wie intellektuellen Fähigkeiten von Hunden durchgeführt.

Von den ausgeklügelten Kognitionstests machte sich Sozialminister Hundstorfer beim Besuch im Clever Dog Lab selbst ein Bild, gemeinsam mit Rektorin Sonja Hammerschmid und Professor Ludwig Huber, dem Leiter der Abteilung für vergleichende Verhaltensforschung.

„Je mehr wir über unsere Hunde und ihre Bedürfnisse wissen, desto besser können wir für ihr Wohlbefinden sorgen. Hunde übernehmen in unserer Gesellschaft unterschiedliche Aufgaben.

Als Universität ist es unsere Verantwortung, das erfolgreiche Miteinander von Hunden und Menschen zu unterstützen. Als Prüfstelle für Assistenzhunde und Therapiebegleithunde können wir dazu einen wichtigen Beitrag leisten," erklärt Hammerschmid.

Aufkleber „Assistenzhund willkommen“

Die Wirtschaftskammer Wien (WKW) nahm die Zertifikatsverleihung zum Anlass und stellte den neuen Aufkleber „Assistenzhund willkommen“ vor. Erwin Pellet, Repräsentant der Wiener Einkaufsstraßen, erklärte, dass sich die WKW mit dieser Aktion speziell an Handelsgeschäfte wende, die damit ihr Bemühen um Barrierefreiheit zeigen könnten.

Denn Assistenzhunde sollen überall Zutritt erhalten, auch in Lebensmittelgeschäften. Die Aufkleber werden ab sofort bei Veranstaltungen der Wirtschaftskammer Wien ausgegeben oder können auch direkt über das Diversity-Referat bestellt werden (Kontakt: diversity@wkw.at oder 01 514 50-1070)

Bestens ausgebildete Hunde

Assistenzhunde übernehmen wichtige Aufgaben, damit Menschen mit Behinderungen ihren Alltag  besser bewältigen können. Als Signalhunde machen sie etwa ihre gehörlosen HalterInnen auf Geräusche aufmerksam oder warnen DiabetikerInnen vor drohendem Unterzucker.

Um solche Fertigkeiten zu erwerben, braucht es eine fundierte Ausbildung für die Vierbeiner. Mit der Gesetzesänderung wurden einheitliche Qualitätsstandards für die Aus- und Weiterbildung der Hunde definiert.

HalterInnen können jetzt sicher sein, dass ein geprüfter Hund tatsächlich über die angegebenen Fähigkeiten verfügt. „Die Prüfstelle führt auch ein zentrales Register aller Assistenz- und Therapiebegleithunde in Österreich.

So können wir auch wissenschaftlich untersuchen, wie sich der Langzeiteinsatz auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Hunde auswirkt“, unterstreicht Karl Weissenbacher, Leiter der Prüfstelle für Assistenz- und Therapiebegleithunde einen weiteren Vorteil der neuen Prüfstelle.


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