WWF: Vier Seeadler besendert – Population im Aufwind

(16.05.2024) 70 Seeadler-Brutpaare in Österreich – Besenderungen in Niederösterreich und Burgenland liefern wichtige Erkenntnisse für Schutz des österreichischen Wappentiers – Illegale Verfolgung ist größte Bedrohung für heimische Population


Die Seeadler-Population erholt sich � auch dank Forschungs- und Schutzprogrammen des WWF

Vor 25 Jahren galt Österreichs Wappentier hierzulande als ausgerottet. Mittlerweile ist die Seeadler-Population auf etwa 70 Brutpaare angewachsen – ein großer Naturschutzerfolg, der auf den strengen europaweiten Schutz der Tiere zurückgeht. 

Ein wichtiger Bestandteil davon ist das Forschungs- und Schutzprogramm des WWF Österreich. Im Rahmen dessen konnten heuer vier Jungadler in Niederösterreich und im Burgenland mit GPS-GSM-Sendern ausgestattet werden.

“Die Sender liefern wichtige Erkenntnisse über Flugrouten oder Paarungsverhalten. So hat zum Beispiel eine kürzlich durchgeführte Studie gezeigt, dass sich Seeadler besonders häufig in Natura 2000-Schutzgebieten aufhalten“, sagt WWF-Artenschutzexperte Christian Pichler. 

“Anhand der Daten lässt sich zudem ablesen, dass in Österreich geschlüpfte Seeadler inzwischen unter anderem in Tschechien, der Slowakei und in Ungarn brüten. Unser Schutzprogramm trägt also auch zur Stärkung der Populationen in unseren Nachbarländern bei.”

Um Österreichs Wappentier weiterhin bestmöglich zu schützen, braucht es das EU-Renaturierungsgesetz. 

Die geplante Verordnung würde sowohl bestehende Schutzgebiete aufwerten, als auch Areale außerhalb davon verbessern und damit für Wildtiere attraktiver machen. Der WWF Österreich fordert daher die neun Bundesländer dazu auf, ihre nationale Blockade des EU-Renaturierungsgesetzes aufzugeben und damit die grüne Infrastruktur Europas zu stärken.

Die federleichten Telemetrie-Datenträger beeinflussen die Adler nicht in ihren Bewegungen und fallen nach etwa fünf Jahren von selbst wieder ab. Zusätzlich an den Beinen befestigte Ringe der Österreichischen Vogelwarte sorgen dafür, dass die Tiere ein Leben lang identifiziert werden können. 

Wichtige Kooperationspartner bei der Besenderung der heurigen Jungtiere sind der Nationalpark Donau-Auen und PANNATURA. Gemeinsam mit dem WWF wurde an drei Standorten in den Donau-Auen und dem Leithagebirge besendert.

“Intakte und ruhige Naturlandschaften bieten die besten Voraussetzung für den störungsempfindlichen Seeadler. Dort findet er Fische und Wasservögel für den Nahrungserwerb sowie mächtige Horstbäume in abgeschiedenen Waldbereichen für die Brut“, erklärt Nationalpark-Direktorin Edith Klauser. 

“Besenderungen zeigen nicht nur die beeindruckend weiten Reisen heimischer Seeadler über den ganzen Kontinent. Je mehr man über Streifgebiete, Paarungsverhalten, Rast- und Überwinterungsplätze weiß, umso besser kann man sie vor Gefahren schützen“, sagt Matthias Grün, Geschäftsführer PANNATURA.

Illegale Verfolgung ist größte Bedrohung für heimische Population

Trotz der sich gut entwickelnden Population ist das Überleben der Seeadler in Österreich noch nicht dauerhaft gesichert. Illegale Abschüsse und Vergiftungen stellen die größte Bedrohung für das österreichische Wappentier dar. Kollisionen mit Fahrzeugen, Stromleitungen und Windkraftanlagen sind ebenfalls ein Problem.

Brutgebiete und Brutpaare im letzten Jahr:

  • Waldviertel: 20 Brutpaare
  • Nationalpark Donau-Auen: 6 Brutpaare
  • Donau westlich von Wien (NÖ): 4 Brutpaare
  • March-Thaya-Auen: 7 Brutpaare
  • Weinviertel: 5 Brutpaare
  • Oberösterreich: 2 Brutpaare
  • Nordburgenland: 6 Brutpaare
  • Südburgenland: 2 Brutpaare
  • Steiermark: 8 Brutpaare


Weitere Meldungen

Seeadler; Bildquelle: G.Zimmert / 4nature

WWF und BirdLife: Seeadler lieben Natura 2000-Gebiete

Neue Studie: Seeadler jagen und brüten besonders gerne in Europaschutzgebieten
Weiterlesen

Zwei von acht Jungadlern wurden heuer in den March-Thaya-Auen besendert; Bildquelle: Stefan Höller / WWF

Erfolgreiche Seeadler-Brutsaison – 33 Jungvögel fliegen aus

Vor 20 Jahren galt Österreichs Wappenvogel hierzulande als ausgestorben. Dank intensiver Schutzbemühungen zeigt die Bestandskurve der Seeadler mittlerweile kontinuierlich nach oben. 40 Paare sind heute wieder heimisch
Weiterlesen

WWF-Geschäftsführerin Andrea Johanides und Dominic Thiem mit den besenderten Jungseeadlern; Bildquelle: Marion Schindlauer / WWF

WWF Österreich und Dominic Thiem besendern junge Seeadler

Tennisprofi unterstützt das erfolgreiche Comeback des Wappentiers in Österreich – Besenderung liefert wichtige Daten für länderübergreifendes Schutzprojekt – Population im Aufwind, aber durch illegale Verfolgung gefährdet
Weiterlesen

Seeadler im Flug; Bildquelle: Justine Pickett / papiliophotos.com

176 Seeadler überwintern in Österreich: Wappentier ist zurückgekommen, um zu bleiben

Winterzählung bestätigt Aufwind für Seeadler – Niederösterreich und Burgenland sind wichtigste Gebiete für Winterrast
Weiterlesen

Livestream eines besetzten Horstes; Bildquelle: Esterhazy

Tausend Stunden „Adler live“: Seeadler-Bruterfolg im Burgenland

WWF Österreich und PANNATURA präsentieren exklusive Einblicke: Der Livestream eines besetzten Horstes geht nun für rund 1.000 Stunden frei zugänglich online
Weiterlesen

Seeadler; Bildquelle: Hoyer/Nationalpark Donau-Auen

179 Seeadler verbringen diesen Winter in und um Österreich

WWF, BirdLife und Nationalpark Donau-Auen präsentieren die Ergebnisse der Winterzählung
Weiterlesen

Vergifteter Rotmilan; Bildquelle: Birdlife

Vergiftungsfall Zistersdorf: Höchst gefährdete Greifvögel unter den Opfern

BirdLife verurteilt die Vergiftung in dem wichtigsten Greifvogelgebiet Österreichs aufs Schärfste und fordert ein hartes Durchgreifen des Landesjagdverbandes
Weiterlesen

Seeadler-Bergung; Bildquelle: Vier Pfoten

Vergiftung durch Bakterien in Nahrung: Seltener Seeadler erholt sich in EGS Haringsee

Es ging ihm sehr schlecht: Der wunderschöne, äußerst seltene Seeadler saß verkrampft und flugunfähig auf einem Feld im niederösterreichischen Zistersdorf bei Mistelbach, als die Mitarbeiter der Eulen- und Greifvogelstation (EGS) in Haringsee ihn Ende September bargen
Weiterlesen