Herdenschutzseminar an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein

(10.10.2019) Eine erfolgreiche Kooperation des Österreichzentrums Bär, Wolf, Luchs und der HBLFA Raumberg-Gumpenstein

Das Österreichzentrum Bär, Wolf, Luchs, das mit seiner Geschäftsstelle an der HBLFA beheimatet ist, veranstaltete gemeinsam mit der HBLFA Raumberg-Gumpenstein vom 25. bis 27. September 2019 ein Herdenschutzseminar für Präventionsberater an der HBLFA in Irdning-Donnersbachtal (Steiermark).

Das Seminar umfasste einen theoretischen Block am ersten Tag, einem Praxistag am zweiten und einem Diskussionsblock am letzten Tag: Georg Rauer vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) an der Veterinärmedizinischen Universität informierte über die Biologie und Verbreitung der großen Beutegreifer in Österreich und Europa. Es gibt keinen Zweifel, die Beutegreifer sind angekommen und nur fundiertes Wissen über die Tiere verhilft zu vernünftigen Lösungen für ein konfliktarmes Zusammenleben.

Klaus Pogadl, Obmann des Österreichzentrums, referierte über die gesetzlichen Rahmenbedingungen in der EU und in Österreich. Albin Blaschka, Geschäftsführer des Österreichzentrums, stimmte die Teilnehmer dann auf den Praxistag ein und stellte Grundlagen und Konzepte zum Herdenschutz vor.


Zaunbau in unwegsamen Gelände

Abgerundet wurde dieser theoretische Teil des Seminars mit einem Kommunikationstraining, das zum Ziel hatte, eine Werkzeugkiste zur erfolgreichen Vermittlung von Inhalten und gemeinsamen Problemlösung zu zeigen, engagiert und fundiert abgehalten von Katrin Zechner, Erwachsenenbildung und Kommunikationstraining.

Am zweiten Tag ging es auf die Planneralm in Donnersbach, um unterschiedliche Arten von Zaunmaterialien verschiedener Hersteller kennenzulernen und einem Praxistest in Bezug auf Handhabung und Eignung zu unterziehen. Es wurden wolfssichere Zäune unter der kundigen Aufsicht der Vertreter der Firmen und Reinhard Huber, Abteilung Schafe und Ziegen der HBLFA Raumberg-Gumpenstein aufgestellt und anschließend gemeinsam auf möglichen Schwachstellen untersucht.

Es zeigten sich deutlich die Herausforderungen, die es beim Zaunbau in unwegsamen Gelände zu meistern gilt.

Auf diesen Erfahrungen aufbauend und auch mit dem Vorwissen der Teilnehmer, die aus den Bundesländern Tirol, Salzburg, Steiermark, Kärnten und Niederösterreich kamen, wurden abschließend am letzten Tag Szenarien diskutiert, wo es Sinn macht Schutzzäune aufzustellen und ab wann der finanzielle und arbeitstechnische Aufwand zu hoch werden kann, um sinnvolle Maßnahmen treffen zu können.

Es wurde sehr schnell klar, dass hier auf einer breiten Basis, mit allen Stakeholdern, unterschiedliche Szenarien zu diskutieren sind, denn nur so lassen sich praxistaugliche Maßnahmen vorsehen, die auch zu einem konfliktarmen Zusammenleben mit den Beutegreifern führen können.

Herdenschutz muss immer an die Rahmenbedingungen und der konkreten aktuellen Situation vor Ort angepasst werden. Sind Herdenschutzmaßnahmen notwendig, sind diese laufend im Rahmen des Herden- und Weidemanagements mit zu beurteilen und nötigenfalls auch immer wieder anzupassen.

In Österreich hat die Weide- und Almhaltung von Nutztieren eine große Tradition, diese Flächen stellen einen wertvollen Teil der Kulturlandschaft in Österreich dar. Mit der Ausbreitung der Großen Beutegreifer kommt es vermehrt Übergriffen auf die Weidetiere, und es besteht die Gefahr, dass Bewirtschafter, welche diese Flächen extensiv, mit sehr kleinen Tierherden nutzen, diese Flächen aufgeben. Werden diese Flächen nicht mehr beweidet, gehen sie in kurzer Zeit für die Tierernährung verloren.

Nicht nur die Nutztiere wären betroffen, sondern auch die Wildtiere, Vogelarten und Insekten. Mit der wunderschönen bewirtschaften Kulturlandschaft (dazu gehören auch die Almflächen) wird im Tourismus für Österreich geworben. Ein Verlust von diesen Flächen hätte in allen Bereichen seine Auswirkung, von Tourismus, Einkommensverlust von den Landwirten, Jagd bis zu den Naturkatastrophen die von Sukzessionsflächen ausgehen.

Dafür muss es eine Unterstützung für die Landwirte geben, dass in Zukunft diese Flächen weiter bewirtschaftet werden. Präventionsberater sollen Landwirten eine Beratung in Zusammenhang mit den Großen Beutegreifern bieten, welche sie in Seminaren erarbeiten.


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