SOFTVETS: Softskills in die tierärztliche Ausbildung integrieren

(09.10.2018) Wissenschaftler erstellen europäischen Muster-Lehrplan, um nicht-fachliche Kompetenzbereiche im Tiermedizinstudium zu stärken.

In einem internationalen Kooperationsprojekt werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fünf europäischer Universitäten ein Muster-Curriculum für das Tiermedizinstudium entwickeln.

Ihr Ziel ist es, sogenannte Softskills in die tierärztliche Ausbildung zu integrieren. Kommunikative Fähigkeiten oder Unternehmertum stehen im Tiermedizinstudium bisher nicht auf dem Lehrplan, sind für den beruflichen Erfolg aber unerlässlich. Die Europäische Union fördert das Projekt mit dem Titel „Pan-European soft skills curriculum for undergraduate veterinary education – SOFTVETS” im Erasmus+ Programm für zwei Jahre.

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover Neben der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) sind die Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Zagreb, die Veterinärmedizinische Universität Wien, die Veterinärmedizinische Universität Budapest und die Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Ljubljana sowie die europäische Akkreditierungsorganisation European Association of Establishments for Veterinary Education (EAEVE) und die internationale Studierendenvertretung International Veterinary Students Association (IVSA) an dem Projekt beteiligt.

„Das Wissen in der Medizin vergrößert sich ständig. Je mehr wir wissen, desto besser können wir Tieren helfen. Softskills sind eine wichtige Unterstützung, um in der Praxis erfolgreich zu sein“, sagt Professorin Dr. Andrea Tipold, Vizepräsidentin für Lehre an der TiHo.

Aktuelle Ergebnisse aus der (tier-)medizinischen Ausbildungsforschung sowie Meinungsbilder von Tierärztinnen und Tierärzten untermauern das: Der Bedarf, neben tierärztlichem Wissen weitere Kompetenzbereiche zu erlernen, wächst.

„Auch der Wunsch, den Unterricht von Fächern wie Betriebswirtschaftslehre in den Lehrplan zu integrieren nimmt europaweit immer mehr zu“, berichtet Dr. Christin Kleinsorgen aus der E-Learning-Beratung der TiHo.

In dem Projekt SOFTVETS, das unter der Federführung der Universität Zagreb im Oktober startet, werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler europaweite Empfehlungen und Standards für die Umsetzung erarbeiten: Welche Inhalte sollen in welchem Umfang unterrichtet werden, welche Prüfungen sind erforderlich?

„Ein solches Muster-Curriculum zum direkten Einsatz an verschiedenen Fakultäten gibt es bisher nicht“, erklärt Kleinsorgen. „Es soll europaweit einsetzbar sein.“

Schwerpunktmäßig konzentrieren sich die Wissenschaftler zunächst auf drei Kompetenzbereiche: kommunikative Kompetenzen, Unternehmertum und Entrepreneurship sowie digitale Kompetenzen. Kommunikative Fähigkeiten sind wichtig für den Umgang mit Tierbesitzern.

„Besonders deutlich werden diese Fähigkeiten natürlich immer in schwierigen Situationen wie beispielsweise bei Euthanasiegesprächen oder wenn Uneinigkeit über die Bezahlung herrscht“, erklärt Tipold, „aber auch sonst ist es wichtig, die Tierbesitzer zu verstehen und sie entsprechend ihres Wissens- und Gemütsstandes zu informieren.“ Genauso wichtig sind betriebswirtschaftliche Inhalte.

„Niedergelassene Tierärztinnen und Tierärzte sind Unternehmer. Ihnen schon im Studium das entsprechende Rüstzeug mit auf den Weg zu geben, erleichtert ihnen den Weg in die Selbstständigkeit. Sie müssen sich die Kenntnisse dann nicht mühselig während des Praxisaufbaus nebenbei aneignen“, sagt Kleinsorgen.

Die digitalen Kompetenzen zielen auch schon auf die Zeit im Studium ab: Digitale Lerntagebücher oder Zeitmanager sollen helfen, das eigene Lernen zu managen und somit zu erleichtern. Hinzukommen beispielsweise Kenntnisse gängiger Praxissoftware-Produkte, die Berufsanfänger beim Start beherrschen sollten.

Für die drei Kompetenzbereiche werden die Forscherinnen und Forscher Lehr- und Lernziele definieren und ein Schulungskonzept für die Fortbildung von Dozierenden im Bereich des „Soft Skills-Trainings“ entwickeln. Das Muster-Curriculum werden sie an den drei Standorten Zagreb, Budapest und Ljubljana testweise einführen und evaluieren.



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