Fuchs, du hast die Stadt erobert: immer mehr Fuchsbeobachtungen in Wien

(17.12.2018) Über 1100 Fuchsbeobachtungen aus der Wiener Bevölkerung analysierte ein Forschungsteam rund um die Wildtierökologin Theresa Walter im Rahmen des Citizen Science Projektes StadtWildTiere.

Gemeinsam konnten darin Forscher der Vetmeduni Vienna und der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) zeigen, dass Füchse bestimmte Grätzel und Umgebungen bevorzugen. Es stellte sich auch heraus, dass die Meldung von Fuchsbeobachtungen mit dem Ausbildungsgrad der Bevölkerung zusammenhing.

Urbane Lebensräume gewinnen immer mehr an Bedeutung für diverse Wildtierarten. So wurden auch Füchse in den letzten Jahren zu erfolgreichen Bewohnern von Stadtgebieten. Für Wien wurde nun erstmals im deutschsprachigen Raum eine Analyse von Fuchsbeobachtungen erstellt.


Über ein Citizen Science Projekt konnte gezeigt werden, dass Füchse bestimmte Wiener Grätzel und Umgebungen bevorzugen.

Forschende der Vetmeduni Vienna und der Universität für Bodenkultur (BOKU) Wien sammelten diese zu allen Jahreszeiten über einen Zeitraum von fünf Jahren. Begegnungen mit Füchsen wurden aus allen Wiener Bezirken und zu jeder Tageszeit gemeldet.

„Unser Wissen über das Vorkommen, die Verteilung und den Zusammenhang mit der Landnutzung dieser städtischen Füchse ist jedoch marginal, da viele der bevorzugten Lebensräume auf Privatbesitz liegen und daher für Wissenschafterinnen und Wissenschafter kaum zugänglich sind“, erklärt Theresa Walter vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmeduni Vienna.

Diese Informationslücke konnte nun mit Hilfe eines Citizen-Science Ansatzes, bei dem die Wiener Bevölkerung Fuchsbeobachtungen auch aus Privatgärten meldete, geschlossen werden.

Landnutzung beeinflusst Begegnungen

Städte stellen für Wildtiere ein Mosaik an Landnutzungsklassen wie etwa Parks, Gärten und Straßen dar, die sich oftmals durch ihren Anteil an Grünflächen aber auch hinsichtlich ihrer Nutzung durch Menschen stark unterscheiden.

Die Analyse der Beobachtungen zeigte: in Gärten, Gebieten mit geringer Bebauungsdichte, Parks oder auf Plätzen waren die Wahrscheinlichkeiten für die Begegnung mit Füchsen wesentlich höher als in landwirtschaftlichen Gebieten, Industriegebieten oder Wäldern.

„Das erscheint auf den ersten Blick widersprüchlich, da Füchse ja auch im Wald oder auf Feldern leben“ erläutert Florian Heigl vom Institut für Zoologie der BOKU Wien. „Es ist allerdings so, dass man einen Fuchs in einem Wald mit starkem Unterwuchs oder in einem Weizenfeld nicht so gut beobachten kann, wie einen Fuchs, der durch die Stadt spaziert.“

Des Weiteren werden Füchse in der Stadt von der Bevölkerung als außergewöhnlicher wahrgenommen, als Beobachtungen im Wienerwald.

Zur Beobachtung gehören immer zwei: Fuchs und Mensch

Da für Beobachtungen immer das Aufeinandertreffen von Wildtier und Mensch notwendig ist, wollten die Forschenden auch die menschliche Seite der Beobachtungen unter die Lupe nehmen. Im Rahmen der Analyse von soziodemographischen Kennzahlen der Wiener Bevölkerung zeigte sich, dass unter anderem der Ausbildungsgrad der Bevölkerung einen Einfluss auf die Meldung von Fuchsbeobachtungen hatte.

Umso mehr Menschen mit höherer Ausbildung in einem Bezirk lebten, umso mehr Fuchsbeobachtungen wurden gemeldet.

Dieses Ergebnis ist für viele Citizen Science Projekte relevant, vor allem wenn Forschende verstehen wollen, wie Beobachtungsdaten entstehen und welchen räumlichen Einfluss soziodemographische Faktoren auf die Verteilung der analysierten Meldungen haben.

Eine weitere Anwendungsmöglichkeit der Ergebnisse sieht Theresa Walter im städtischen Wildtiermanagement: „Es gibt auch Krankheiten, die von Wildtieren auf Haustiere oder auf den Menschen übertragen werden können. Wenn wir wissen, wo Mensch und Wildtier in der Stadt aufeinandertreffen, können punktgenau Maßnahmen getroffen werden.“

Publikation

Der Artikel “Fox sightings in a city are related to certain land use classes and sociodemographics: results from a citizen science project” von Theresa Walter, Richard Zink, Gregor Laaha, Johann G. Zaller und Florian Heigl wurde in, BMc Ecology veröffentlicht.
https://bmcecol.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12898-018-0207-7



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