Ähnlichkeiten bei Lebensmittelallergien von Tier und Mensch: Der Vergleich macht uns (un)sicher

(23.08.2017) Nicht nur Menschen kennen die Symptome und Probleme bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten und -allergien.

Auch andere Säuger, wie etwa Katze, Hund oder Pferd, sind davon betroffen. Ein neues europäisches Positionspapier unter der Verantwortung des Messerli Forschungsinstitutes der Vetmeduni Vienna und Meduni Wien fasste nun das Wissen zu Allergien und Intoleranzen gegen Lebensmittel bei Tier und Mensch zusammen.

Es zeigten sich große Ähnlichkeiten bei tierischen und menschlichen Symptome und Auslösern. Es gibt jedoch noch großen Bedarf nach weiteren vergleichenden Studien zu den Mechanismen, der Diagnose und den richtigen Maßnahmen bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten.


Auch Haustiere leiden an Nahrungsunverträglichkeiten und -Allergien.

Durchfall nach einem Glas Milch, Gaumenjucken nach dem Genuss von Äpfeln, Schwellungen im Gesicht nach dem Verzehr eines Hühnereis oder ein heftiger Asthma-Anfall durch Erdnuss-Staub sind Anzeichen einer Lebensmittelunverträglichkeit oder –allergie.

Doch nicht nur wir Menschen, auch andere Säugetiere, wie Hund, Katze oder Pferd, können ähnliche Symptome nach dem Fressen zeigen.

Die Zahlen der von Lebensmittelallergien und Intoleranzen betroffenen Haustiere haben sich mittlerweile sogar an jene des Menschen angepasst.

Eine Arbeitsgruppe der European Academy of Allergy and Clinical Immunology (EAACI) widmet sich gezielt diesem Thema. Vor kurzem wurden in einem Positionspapier Fakten über Unverträglichkeiten und Allergien gegen Nahrungsmittel bei Tier und Mensch zusammengefasst und Wissenslücken offengelegt.

Symptome und Auslöser bei Intoleranzen und Allergien überschneiden sich

„Prinzipiell können nicht nur Menschen, sondern alle Säugetiere Allergien entwickeln, da ihr Immunsystem den Antikörper Immunglobulin E produzieren kann“, sagt Erstautorin Isabella Pali-Schöll.

Diese speziellen Antikörper helfen normalerweise bei der Abwehr von Parasiten oder Viren. Sie sind allerdings auch für die bekanntesten, rasch auftretenden Allergie-Symptome vom Typ I, wie Heuschnupfen, allergisches Asthma und anaphylaktischen Schock verantwortlich.

Im Bereich der Nahrungsmittel gibt es zudem auch weit verbreitete nicht-immunologische Formen der Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

Das Positionspapier, das von Pali-Schöll und Erika Jensen-Jarolim vom interuniversitären Messerli Forschungsinstitut der Vetmeduni Vienna und der Meduni Wien verantwortet wurde, zeigte auf, dass sich die Symptome der Nahrungsmittelunverträglichkeiten bei Tieren und Menschen ähneln.

Allerdings ist bei Hund, Katze oder Pferd neben Magen-Darmbeschwerden zumeist die Haut das leidtragende Organ. „Asthma oder schwere Schockreaktionen wurde bei Tieren nur selten beobachtet“, so Pali-Schöll.

Auch bei den Auslösern der Immunreaktion auf bestimmte Nahrungsmittel und Inhaltsstoffe gibt es Überschneidungen. Haustiere können sowohl an einer Laktoseintoleranz, als auch an echten Allergien gegen Milcheiweiß leiden. Bestimmte Proteine aus Weizen, Soja, Erd- oder Baumnüssen, Fisch, Ei und Fleisch lösen bei einigen Säugetieren ebenso allergische Reaktionen aus.

Molekulare Allergie-Diagnostik zur besseren Risikoabschätzung für Tiere unausgereift

Die genaue Kenntnis der auslösenden Moleküle aus diesen Allergenquellen ermöglicht gerade bei Nahrungsmittelallergien ein besseres Einschätzen des Risikos schwerer Reaktionen.

Viele dieser Bausteine sind für den Menschen beschrieben und werden bereits in der Diagnostik eingesetzt, zum Beispiel in sogenannten Allergen-Mikrochip-Tests. Was die Tiere betrifft, besteht dagegen noch großer Forschungsbedarf.

Ähnliches gilt für die richtigen Maßnahmen bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Dafür ist eine genaue und umfassende Diagnose unumgänglich. Viele Mechanismen und Auslöser sind für Tiere jedoch noch nicht ausreichend erforscht, weil Testsubstanzen zum Teil gar nicht erhältlich sind.

Allergen-Vermeidung bisher wichtigste Maßnahme für Tier und Mensch

Eine sogenannte Eliminationsdiät ist die Basis für die korrekte Diagnostik für Tiere und Menschen. Bei dieser Eliminationsdiät werden bei Tieren alle bis dahin in der Nahrung enthaltenen Eiweißquellen vermieden.

„Als Nahrung dienen in dieser Zeit der Diagnosestellung entweder selbstgekochte Diäten oder tiermedizinisch verordnete diätische Nahrungsmittel. Erst dann, und nur wenn es keine gefährlichen allergischen Reaktionen davor gab, kann „normale“ Nahrung Schritt für Schritt wieder eingeführt werden“, so Ernährungswissenschafterin Pali-Schöll.

Damit kann man die notwendige allergenfreie Diät genau auf die Nahrungsmittelunverträglichkeit ausrichten und unnötige Einschränkungen vermeiden.

Der konsequente Vergleich von Nahrungsmittelunverträglichkeiten bei Mensch und Tier bietet Einblicke in Risikofaktoren für das Krankheitsgeschehen, und kann damit zu verbesserten Empfehlungen für Prävention und Behandlung bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten bei Tier und Mensch führen.

Auch wenn es derzeit weder für den Menschen noch für das Tier eine Therapie gibt, sind viele neue Immuntherapie-Varianten gerade in der Studienphase.

„Bei der sogenannten sublingualen oder der epikutanen Immuntherapie, sprich Behandlung unter der Zunge oder über die Haut, konnten in den ersten Studienphasen bereits Teilerfolge erzielt werden. Bis zur Markteinführung und standardmäßigen Anwendung werden allerdings noch einige Jahre vergehen“, sagt Pali-Schöll.

Publikation

Das europäische Positionspapier „Comparing immediate-type food allergy in humans and companion animals - revealing unmet needs” von Pali-Schöll I, De Lucia M, Jackson H, Janda J, Mueller RS und Jensen-Jarolim E wurde im Fachjournal Allergy veröffentlicht.
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/all.13179/epdf



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Allergene bei Tieren

Fachbuch "Allergene bei Tieren“ jetzt über Laboklin erhältlich!

Pollen, Pilze, Milben, Insekten, Flöhe, Futtermittel und Epithelien
Weiterlesen

Eine Sialinsäure schützt Bauernkinder vor Asthma.; Bildquelle: UZH

Wie Katze und Kuh Bauernkinder vor Asthma schützen

Mikroben auf dem Bauernhof schützen Kinder vor Asthma und Allergien, das ist bekannt. Aber auch nicht-mikrobielle Moleküle scheinen einen schützenden Effekt zu haben
Weiterlesen

Schweizerischer Nationalfonds SNF

Wie Stalldreck vor Allergien schützt

Vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Forschende liessen Labormäuse im Kuhstall aufwachsen. Damit studierten sie, wie die Umwelt des Bauernhofs das Immunsystem verändert und vor Allergien schützt
Weiterlesen

Juckreiz und Allergie bei der Katze - Diagnose, Management und therapeutische Optionen

Kostenloses Webinar: Juckreiz und Allergie bei der Katze - Diagnose, Management und therapeutische Optionen

Einladung zum kostenlosen Webinar am 21. September 2016 für Tierärztinnen und Tierärzte
Weiterlesen

Laboklin

Allergen-spezifische Immuntherapie bei Laboklin

Bei der Allergie auf Umgebungsallergene (Hausstaub- und Vorratsmilben, Schimmelpilze, Pollen von Gräsern, Kräutern und Bäumen, Insekten), kommt es bei Hund, Katze und Pferd zu einer juckenden Hauterkrankung bzw. zur respiratorischen Symptomatik
Weiterlesen

Futterinsekten können zur Entstehung von Allergien beitragen; Bildquelle: Sarah Hochgeschurz/Vetmeduni Vienna

Reptilien als Haustiere: Futterinsekten bringen Allergene in Haushalte 

Reptilien werden als Haustiere immer beliebter. In Europa hat sich die Zahl der Haustier-Reptilien wie etwa Echsen, Schildkröten oder Schlangen in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt
Weiterlesen

Professorin Erika Jensen-Jarolim; Bildquelle: Michael Bernkopf/Vetmeduni Vienna

Das Enzym Papain im Hundeshampoo kann über die Haut Allergien auslösen

Papain ist ein wichtiges industrielles protein-abbauendes Enzym. Kommen Menschen oder Tiere mit Papain in Kontakt, können starke allergische Reaktionen der Haut die Folge sein
Weiterlesen

Erika Jensen-Jarolim und Franziska Roth-Walter sind der Entschlüsselung der allergischen Reaktion auf der Spur; Bildquelle: Erika Jensen-Jarolim/Vetmeduni Vienna

Grundlage der allergischen Reaktion auf Kuhmilch-Allergen erforscht

Eine Kuhmilchallergie kommt bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen vor. Forschende des Messerli Forschungsinstitutes der Vetmeduni Vienna, der MedUni Wien und der Universität Wien klären nun, was die Milch allergen macht
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen





[X]
Hinweis zur Nutzung von Cookies

Diese Website nutzt Cookies zur Bereitstellung von personalisierten Inhalten, Anzeigen, Inhalten von sozialen Medien und zur Analyse des Benutzerverhaltens. Die mit Hilfe von Cookies gewonnenen Daten werden von uns selbst sowie von uns beauftragten Partnern in den Bereichen soziale Medien, Online-Werbung und Website-Analyse genutzt. Durch den Besuch unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.

Mit der weiteren Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr erfahren...