Stiftungsprofessur des Landes Tirol als Unterstützung für Regionalisierung der universitären Ausbildung

(01.03.2022) Etablierung des Vertiefungsmoduls „Der Wiederkäuer im Alpenraum“ für Studierende der Veterinärmedizinischen Universität Wien in Tirol

Ein Teil der Ausbildung an der Veterinärmedizinischen Universität Wien wird künftig auch in Tirol stattfinden: Konkret wird ein Vertiefungsmodul im Bereich Wiederkäuermedizin für Studierende der Veterinärmedizinischen Universität Wien in Tirol angeboten.

Land Tirol Diese Regionalisierung des Ausbildungsangebots stellt einen wichtigen Baustein zur Sicherstellung einer flächendeckenden tierärztlichen Versorgung in Tirol dar. Die Eckpunkte dazu sowie weitere Maßnahmen zur Deckung des wachsenden Tierärztebedarfs wurden im Februar 2022 von Wissenschaftsminister Martin Polaschek, LH Günther Platter, LHStv Josef Geisler und Petra Winter, Rektorin der Veterinärmedizinischen Universität Wien, vorgestellt.

Die Veterinärmedizinische Universität Wien ist mit ihrem qualitätsvollen und breiten Studienangebot die älteste tierärztliche Hochschule im deutschsprachigen Raum und hat beim letztjährigen Shanghai-Ranking mit Platz 8 eine beeindruckende Platzierung in den „Veterinary Sciences“ eingenommen.

„Diese Qualität in den Bereichen Veterinärmedizin, Gesundheitswesen und Lebensmittelsicherheit wollen wir auch österreichweit vermehrt zur Geltung bringen. In der dreijährigen Leistungsvereinbarung haben wir als einen Eckpunkt die strategische Weiterentwicklung des Projekts ‚Der Wiederkäuer im Alpenraum‘, der auf der bereits bestehenden Außenstelle in Innsbruck aufbaut, verankert. Es freut mich, dass Bund und Land diesen Entwicklungsprozess nun gemeinsam gestalten“, erklärt Wissenschaftsminister Polaschek.

Vorhaben zur Lehrorganisation und Standortentwicklung sollen im Rahmen der Initiative „VetMedRegio“ schrittweise umgesetzt werden. Dabei werden auch noch die nächsten Wochen genützt, um die konkreten inhaltlichen Rahmenbedingungen der Kooperation zwischen Land Tirol und Vetmeduni festzulegen.

Land Tirol richtet Stiftungsprofessur ein

„Tirol unterstützt diesen ersten wichtigen und richtigen Schritt der Regionalisierung in der veterinärmedizinischen Ausbildung und richtet dafür eine Stiftungsprofessur ein. Langfristig verfolgen wir das Ziel, gemeinsam mit dem Bund und der Veterinärmedizinischen Universität Wien eine Außenstelle in Tirol aufzubauen, die sich dem Schwerpunktthema Wiederkäuer widmet. In diesem Zusammenhang wurde heute der Auftrag erteilt, die Liegenschaft der ehemaligen HBLFA Kematen durch das Land zu erwerben. Damit bieten wir einen geeigneten Standort zur Weiterentwicklung an“, sieht LH Platter in der nunmehrigen Kooperation den Auftakt für eine erfolgversprechende Zusammenarbeit.

Das Land Tirol verfolge das Ziel, zum einen die flächendeckende veterinärmedizinische Versorgung zum Wohle der Nutz- und Heimtiere sowie der Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit zu gewährleisten und zum anderen den Bildungs-, Wissenschafts- und Forschungsstandort Tirol weiter zu stärken.

Vorbereitung auf Generationenwechsel in Tierärzteschaft

In Tirol zeichnet sich – wie in vielen anderen Länder auch – ein wachsender Bedarf an TierärztInnen ab. Bereits in fünf Jahren gehören rund 40 Prozent der Tiroler Tierärzteschaft der Altersgruppe 56 bis 65 Jahre an. „Auf diesen Generationenwechsel bereiten wir uns vor, indem wir Studierende über das dezentrale Ausbildungsangebot verstärkt nach Tirol bringen und an die Regionen binden wollen.

Außerdem wollen wir, dass möglichst viele junge Tirolerinnen und Tiroler das Studium der Veterinärmedizin aufnehmen und dann diesen Beruf in ihrer Heimat ausüben. Deshalb bietet das Land Tirol in der ersten Sommerferienwoche gemeinsam mit der Veterinärmedizinischen Universität Wien unter dem Titel ‚VetINNSights‘ eine Summer School an“, kündigt LHStv Geisler eine weitere Initiative an.

Die Summer School gibt Einblicke in die veterinärmedizinische Ausbildung und in den tierärztlichen Beruf sowie in das Aufnahmeverfahren an der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Derzeit stammen nur zehn Prozent der Studierenden aus den westlichen Bundesländern Tirol, Vorarlberg und Salzburg. Der Anteil der Studierenden aus Wien beträgt hingegen 20 Prozent.

Starker Praxisbezug

Petra Winter, Rektorin der Veterinärmedizinischen Universität: „Als einzige veterinärmedizinische, akademische Bildungs- und Forschungsstätte Österreichs tragen wir eine besondere Verantwortung für die Ausbildung der zukünftigen Tierärztinnen und Tierärzte unseres Landes. Auch wenn unser Campus in Wien liegt, ist uns natürlich die tiermedizinische Versorgung in ganz Österreich ein Anliegen.

Bereits Anfang 2020 haben wir deshalb unsere Außenstelle in Innsbruck gegründet. Im Frühjahr 2022 starten wir mit einem Pilotprojekt und ab März 2023 wollen wir dann 20 Studierende für zwei Semester im neu geplanten Vertiefungsmodul ‚Der Wiederkäuer im Alpenraum‘ überwiegend in Tirol ausbilden.

Ziel ist es, gemeinsam mit dem Land Tirol, dem Berufsstand und lokalen Partnern die Herausforderungen der alpinen Landwirtschaft zu stemmen und gute Bedingungen dafür zu schaffen, dass unsere Studierenden im Rahmen ihrer praktischen Ausbildung im Wiederkäuerbereich wichtige Kontakte für ihre zukünftige berufliche Verankerung in ihrer Tiroler Heimat bzw. in benachbarten ländlichen Regionen knüpfen können.“

Maßnahmenpaket für Tierarztpraxen in ländlichen Raum

„Damit Absolventinnen und Absolventen der Veterinärmedizin eine Tierarztpraxis im ländlichen Raum übernehmen oder eröffnen, müssen wir insbesondere in den peripheren Regionen die Rahmenbedingungen verbessern“, weiß LHStv Geisler.

Das bestehende Sprengeltierarztsystem soll reformiert und gemeinsam mit der Tierärzteschaft ein Modell zur Attraktivierung der Tätigkeit im Nutztierbereich entwickelt und umgesetzt werden. Auch diesbezüglich hat die Tiroler Landesregierung in ihrer heutigen Sitzung einen Grundsatzbeschluss gefasst.

Mit diesem Maßnahmenpaket sollen die tierärztliche Versorgung von Nutz- und Heimtieren, die Tiergesundheit, die effektive Bekämpfung von Tierseuchen und die Lebensmittelsicherheit nachhaltig gewährleistet und die alpine Landwirtschaft abgesichert und gestärkt werden.



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