Joint Danube Survey 4 erfasst einen digitalen Fingerprint der Donau und Mikroplastik
Der „Joint Danube Survey 4“ (JDS4) ist die weltweit umfangreichste Untersuchung eines großen Flusses und seiner Zubringer. Nach dem offiziellen Start am 27. Juni 2019 in Budapest finden diese Woche die Probenahmen an den fünf österreichischen Messstellen statt.
Ziel ist die Erfassung der Biologie, Chemie und Gewässerstruktur. Donaufische werden untersucht, neue Untersuchungs-Methoden eingesetzt und Mikroplastik erstmals donauweit erfasst.
Der Wert dieser weltweit größten Flussuntersuchung liegt in der hohen Datenqualität und der Vergleichbarkeit der Ergebnisse für die Donau von Quelle bis zur Mündung ins Schwarze Meer.
Neben den klassischen Parametern gibt es 2019 einen zusätzlichen Fokus auf topaktuelle Methoden. Die Untersuchung invasiver Arten gibt Auskunft über die Auswirkungen von fremden Pflanzen und Tierarten, die in die Donau einwandern bzw. verschleppt werden. Eigens entwickelte Sammelgeräte für Mikroplastik erheben die Menge an Plastikpartikel, die im fließenden Wasser der Donau transportiert werden.
Ein Mikrobiologieprogramm unter österreichischer Führung beschäftigt sich mit potentiellen Gefahren durch Fäkalkeime und antibiotikaresistente Bakterien. Zum ersten Mal kommt in einem großen Fluss die umfangreiche Untersuchung der eDNA (environmental DNA) zur Anwendung.
Dabei werden DNA-Moleküle im Wasser untersucht und mit DNA-Informationen in einer Datenbank verglichen. Die in der Donau lebenden Pflanzen und Tiere können damit aus einer Wasserprobe bestimmt werden, ohne selbst entnommen werden zu müssen. Diese moderne Technik wird in Zukunft ökologische Untersuchungen revolutionieren und vereinfachen.
Zusätzlich zur gezielten Untersuchung einer Vielzahl von Schadstoffen kommt die Technik des Non-Target-Screenings zum Einsatz. Dabei wird ein digitaler Fingerprint der chemischen Inhaltstoffe des Wassers erstellt, der mehr als 40.000 Substanzen in geringsten Konzentrationen umfassen wird. Von den insgesamt 51 Messstellen des JDS4 liegen fünf in Österreich: Jochenstein, Enghagen, Oberloiben, Klosterneuburg und Hainburg.
Ziel ist es, die strengen Vorgaben der EU Wasserrahmenrichtlinie zur Erreichung des guten Zustandes in allen Gewässern zu erfüllen. Es wird davon ausgegangen, dass die Ergebnisse des JDS4 die positiven Trends durch die gemeinsamen Anstrengungen der Donauländer erneut bestätigen zu können.
Der letzte JDS zeigte für Österreich eine durchwegs gute Wasserqualität der Donau auf. Die Erkenntnisse des JDS4 werden eine wichtige Entscheidungsgrundlage für eventuell nötige weitere Maßnahmen entlang der Donau darstellen.
Sauberes Wasser bedeutet nicht, dass es keine Inhaltsstoffe aufweist. Das gilt auch für die Donau. Unser Lebensstil und die Wirtschaftsweisen spiegeln sich in unseren Gewässern wider. Aufgrund neuer Analyseverfahren sind heutzutage eine Vielzahl an Stoffgruppen nachweisbar. Wichtig ist die Unterscheidung in unbedenkliche und bedenkliche Substanzen.
Deshalb ist die laufende Kontrolle der Qualität der Donau bedeutsam. Regelmäßig werden diese Kontrollen im nationalen Monitoring Programm des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus durchgeführt.
Zusätzlich organisiert die Internationalen Kommission zum Schutz der Donau (IKSD) seit 2001 alle 6 Jahre eine große donauweite Überwachung mit renommierten Wissenschaftsteams. 13 Staaten des Donaueinzugsgebietes von Deutschland bis zur Ukraine wirken an der Umsetzung mit.
In Österreich wird der JDS4 durch das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus durchgeführt, das sowohl für die wissenschaftliche also auch die kommunikative Ausrichtung wichtige Impulse gesetzt hat.
Neben Deutschland und der Europäischen Kommission hat sich Österreich auch maßgeblich an der Finanzierung dieses wichtigen Projekts beteiligt. Die Ergebnisse des JDS4 werden Mitte 2020 vorliegen.
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