Selektives Trockenstellen von Milchkühen: bis zu 55 Prozent weniger Antibiotika

(24.04.2014) Durch den Einsatz von Zitzenversieglern beim Trockenstellen gesunder Euterviertel sind erhebliche Einsparungen von Langzeitantibiotika möglich. Das ist das Ergebnis von Untersuchungen des Eutergesundheitsdienstes Baden-Württemberg und des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes Karlsruhe.

Dafür wurden in baden-württembergischen Milchviehbetrieben von August 2012 bis März 2013 Informationen von 318 Milchkühen ausgewertet.  

Von den trocken zu stellenden Kühen wurden die Gemelkszellzahlen der letzten drei Monate, die Tagesmilchleistung vor dem Trockenstellen und klinische Mastitisepisoden in der zurückliegenden Laktation ausgewertet.

Milchkühe

Die Landwirte führten vor dem Trockenstellen den California-Mastitis-Test durch und nahmen Viertelanfangsgemelksproben sowohl vor dem Trockenstellen als auch in der ersten Woche nach dem Abkalben.

Außerdem gaben sie eine Einschätzung der Eutergesundheit ab. Dabei ging es insgesamt darum, möglichst viele gesunde Euterviertel zu erkennen und möglichst wenige Mastitisviertel zu übersehen.

55 Prozent aller Euterviertel wurden nur mit einem internen Zitzenversiegler behandelt, 15 Prozent erhielten ein Langzeitantibiotikum in Kombination mit einem Zitzenversiegler und 30 Prozent wurden mit Langzeitantibiotika behandelt.  

Bei den zum Trockenstellzeitpunkt gesunden Eutervierteln gab es nach der Abkalbung keinen signifikanten Unterschied im Gesundheitsstatus, egal ob sie mit Antibiotikum oder mit Zitzenversiegler behandelt wurden.

In diesen Untersuchungen konnte im Vergleich zum generellen antibiotischen Trockenstellen eine Verringerung des Antibiotikaverbrauchs von 55 Prozent erzielt werden. Voraussetzung für eine Euterviertel-spezifische Medikation ist aber nach Angaben der Autoren eine Eutergesundheitsdiagnostik vor dem Trockenstellen.

Die Ergebnisse stellte die Tierärztliche Umschau vor.  

Renate Kessen, aid.de



Weitere Meldungen

Weidende Jersey-Kühe auf dem Lindhof; Bildquelle: Dr. Ralf Loges, Uni Kiel

Weidemilcherzeugung in integrierten Marktfrucht-Futterbau-Systemen

Eine Zukunft der Milcherzeugung im Klimawandel: das Ziel der Klimaneutralität in Deutschland bis spätestens 2045 drängt
Weiterlesen

Dr. Dörte Wittenburg hat zusammen mit PD Dr. Saber Qanbari die erste genetische Karte für das deutsche Holstein-Rind erstellt; Bildquelle: FBN/Ronald Grahl

Genetische Maßarbeit für das das schwarzgescheckte Holstein-Rind

An die weltweit wichtigste Milchviehrasse, das schwarzgescheckte Holstein-Rind, werden höchste Ansprüche gestellt: Sie soll nicht nur viel Milch geben, sondern auch möglichst gesund und langlebig sein
Weiterlesen

Tieridentifikation per Bild und die Menge an Forschungsergebnissen und -daten werden in einer App zusammengebracht.; Bildquelle: Hochschule Osnabrück

Nutzung innovativer Datenanalytik und künstlicher Intelligenz für das Eutergesundheits-Management

Das Medienlabor der Hochschule Osnabrück entwickelt eine App, die helfen soll, die Eutergesundheit von Milchkühen zu verbessern
Weiterlesen

In den deutschlandweit einzigen Respirationskammern am FBN können die Methanemissionen exakt gemessen werden.; Bildquelle: FBN/Nordlicht

Der Methanausstoß von Milchkühen kann jetzt ganz einfach ermittelt werden

Wissenschaftler des Instituts für Nutztierbiologie Dummerstorf haben ein neues Verfahren zur Vorhersage des Methanausstoßes einer Milchkuh entwickelt
Weiterlesen

PD Dr. Monika Röntgen sieht in dem neuen Parameter einen zuverlässigen Wert für das Wohlbefinden von Milchkühen, noch bevor das Kälbchen geboren ist.; Bildquelle: FBN

Dummerstorfer Wissenschaftler entwickeln Frühwarnsystem für Stoffwechselstabilität trächtiger Milchkühe

Im Zeitraum um die Geburt sind hochleistende Milchkühe starken Stoffwechselbelastungen ausgesetzt
Weiterlesen

Das iGEM-2019-Team der HHU.; Bildquelle: HHU / Christina Venetidou

Projekt „SynMylk“ erforscht die Zukunft der Milchindustrie

Die „Milch der Zukunft“ zu entwickeln ist das Ziel des iGEM-Teams 2019 der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU)
Weiterlesen

MilchPraxis Cattle Camp

MilchPraxis Cattle Camp - die erfrischend andere Tierarztfortbildung

Wissen, Tools, Kniffe und Tricks für ein zukunftsgerichtetes Arbeiten - 2. bis 5. September 2019 an den Landwirtschaftliche Lehranstalten Triesdorf
Weiterlesen

Mehrere FBN-Institute haben ihr Know-how gebündelt und konnten somit erstmals nachweisen, dass Hitze die Darmgesundheit von Milchkühen angreift: Wietje Nolte (v.li.), Ulrike Thom, PD Dr. Björn Kuhla, Dr. Elke Albrecht, Dr. Franziska Koch, D; Bildquelle: FBN/Brunner

Hitzestress beeinträchtigt Darmbarriere bei Milchkühen

Bislang nicht charakterisierte Immunzellen infiltrieren die Darmwand
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen